Lausitzer Rundschau online
Intellektueller Überbau für Neonazis
Bekannte Rechtsradikale sind regelmäßige Gäste einer Hallenser Burschenschaft

Eine 1999 in Halle gegründete Burschenschaft bemüht sich offensichtlich, der Neonazi-Szene in Sachsen-Anhalt einen intellektuellen Überbau zu verschaffen.
Die "Halle-Leobener Burschenschaft Germania" (HLB) ist im vergangenen Jahr aus der Fusion der "Halleschen Burschenschaft Franco-Germania" sowie der "Alten Leobener Burschenschaft zu Clausthal" entstanden. Bezeichnende Einladungen.
Und was sich die Burschenschaftler allein im ersten Jahr ihres Bestehens ins Verbindungshaus in der Wilhelm-Külz-Straße in Halle an Veranstaltungsteilnehmern und Referenten eingeladen haben, liest sich eigentlich wie ein "Who is who" der Neonazi-Szene Sachsen-Anhalts und darüber hinaus.
"Seit der Gründung der HLB haben an den Veranstaltungen dort bis zu mehr als 30 Neonazis und einschlägig bekannte rechtsextreme Gewalttäter teilgenommen", sagt ein Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Antifaschismus (AG Antifa) im Studentenrat der Martin-Luther-Universität.
Schon bei der ersten Großveranstaltung nach der Fusion im Februar 2000, einem Auftritt des rechtsextremen Liedermachers Frank Rennicke, sind Neonazis der "Weißen Bruderschaft Merseburg", der "Kameradschaft Köthen", der "Weißen Offensive Halle/Saale" sowie der Gruppe "Weiß & Stolz Halle" bei der HLB zu Gast gewesen. Darüber hinaus seien auch Neonazis aus Bernburg beobachtet worden.

An einer weiteren Veranstaltung im April dieses Jahres haben neben Sven Liebich, einem der führenden Köpfe der "Blood & Honour"-Bewegung (Blut und Ehre) in Sachsen-Anhalt, auch der ehemalige NPD-Landesvorsitzende Steffen Hupka aus Timmenrode bei Quedlinburg sowie Mirko Appelt teilgenommen. Letzter ist der Chef der "Kameradschaft Klötze" sowie der Organisation "SelbstSchutz Sachsen-Anhalt" (Selbstbezeichnung: SS-SA). Regelmäßig als Schutztruppe Diese Gruppe ist eine neonazistische Ordnergruppe, die regelmäßig bei Aufmärschen und Saalveranstaltungen der rechten Szene als Ordner- und Schutztruppe fungiert.
Die HLB-Germania inseriert regelmäßig in der rechtsexremistischen Monatsschrift "Nation & Europa", wo sie um potenzielle Interessenten wirbt.

Die Redaktion von "Nation & Europa" tritt erklärtermaßen für ein Zusammengehen der rechtsextremen Parteien NPD, DVU und Republikaner ein. In der Annonce der Burschenschaft heißt es ganz unverbrämt: "Uni-Studium in Halle/Saale? Wir zeigen Dir die rechte Art des Studentseins!"
Offenbar Schutzbehauptung Offiziell distanzieren sich die HLB-Burschenschaftler von rechtsextremen Parteien und Umtrieben, was aber offenbar lediglich eine Schutzbehauptung ist. Denn Dennis Witt, einer der führenden Köpfe bei der HLB, ist zugleich stellvertretender Vorsitzender des Nationaldemokratischen Hochschulbundes, der NPD-Studentenorganisation.

Schon vor der Fusion der beiden Burschenschaften zur HLB sind Aktivitäten der beiden Verbindungen am rechten Rand dokumentiert. So veranstaltete die "Franco-Germania" bereits im Jahr 1997 eine Veranstaltung unter dem Titel "Sind wir Deutschen noch zu retten?" ¬ Referent seinerzeit: der ehemalige Berliner Landesvorsitzende der Republikaner, Klaus Weinschenk, für den Saalschutz sorgte der vom Verfassungsschutz als eindeutig nationalsozialistisch orientiert eingestufte "Freiheitliche Volksblock Halle/Saale".

"Wir verstehen nicht, dass die HLB bislang ganz unbehelligt agieren konnte", klagt ein AG-Antifa-Mitglied des Studentenrates. Im Verfassungsschutzbericht Sachsen-Anhalts 1999 wird die Verbindung nicht ein einziges mal erwähnt. Die Landesbehörden verweisen auf entsprechende Fragen des Wittenberger PDS-Abgeordneten Matthias Gärtner auf Geheimhaltung und Quellenschutz. Quellen recht unergiebig
Offenbar sind aber die Quellen der Behörden recht unergiebig. Denn die wenigen Antworten, die Gärtner auf seine Kleine Anfrage zu HLB-Germania aus dem Innenministerium erhielt, beziehen sich überwiegend auf frei beziehbare Zeitungen und Zeitschriften der rechten Szene. Neben "Nation & Europa" wird als Quelle noch das rechtsextremistische Kampfblatt "Das Herrenhaupt. Kampfschrift zur Schaffung neuer Wirklichkeit" als Quelle benannt.