Pressemitteilungen
2003

Polizei knüppelt Neonazis auf Friedensdemonstration den Weg frei ...>>

Aufmarsch „Freier Nationalisten“ am 1. Mai in Halle ...>>

Antisemitisches Plakat des Neuen Theaters ausdrücklich von Sodann erwünscht
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Offener Brief an den Intendanten des »Neuen Theaters« Halle, Herrn Peter Sodann ...>>


Polizei knüppelt Neonazis auf Friedensdemonstration den Weg frei

Nach dem 10. und dem 24.2.03 erschienen am gestrigen 10.3. zum 3. Mal Neonazis auf der montaglich stattfindenden „Friedensdemonstration“ in Halle. Die ca. 60-70 Neonazis kamen wieder aus Halle, Magdeburg und umliegenden Kleinstädten. Wie die anderen Male bildete sich schon am Bahnhof ein Block mit Transparent, Palästinafahne und verschiedenen Schildern, der in der halleschen Fußgängerzone massiv Flugblätter mit nationalistischen, antiamerikanischen und antisemitischen Inhalten an die Passanten verteilte. Als einer der Koordinatoren der Neonazis trat der bekannte Neonazi Sven Liebich (Ex-Ultima-Tonträgerversand, Ex-Blood&Honour, Betreiber der Naziläden Last Resort in Halle und Midguard in Leipzig) auf.

Schon die ersten beiden Male schafften es die Neonazis, die Demonstration optisch (Transparent: „Kein deutsches Blut und Geld für fremde Interessen“, Flugblätter etc.) und akustisch durch fortwährende Sprechchöre („Frei-sozial-national“, „Völkermord in Palästina-Holocaust durch die Rabbiner“ u.ä.) zu dominieren. Möglich wurde dies dadurch, dass die ca. 1000 bis 1200 Demonstrationsteilnehmer sich nicht deutlich von den Neonazis distanzierten und trotz einzelner Lippenbekenntnisse „gegen Faschismus“ ihre Teilnahme im Demonstrationszug duldeten. Inhaltliche Anknüpfungspunkte finden die Neonazis bei der Friedensbewegung vor allem durch die positive Bezugnahme auf Volksgemeinschaften, in antiamerikanischen Ressentiments sowie der Personalisierung von Weltpolitik auf „bösartige“ Personen und Gruppen.

Da bisher die Teilnahme der Neonazis nicht verhindert werden konnte, ihre Mobilisierung zunehmend stärker und selbstbewusster wird und aus dem halleschen Friedensbündnis heraus dem kein klares Engagement entgegensteht, versuchten am gestrigen Montag ca. 30 jugendliche Antifaschist/innen den Demonstrationszug, welcher diesmal von den Neonazis sogar angeführt wurde, mit einem Transparent „Kein Frieden mit Nazis“ solange friedlich zu blockieren, bis Demoleitung und Polizei die Neonazis aus dem Zug entfernt haben. Diese Blockade wurde sofort und ohne Vorwarnung von der Polizei auseinandergeknüppelt, wobei mehrere „Blockierer“ zum Teil erheblich verletzt wurden. Trotz einiger Proteste vornehmlich jugendlicher Demonstrationsteilnehmer konnten die Neonazis weiterhin an der Demonstration teilnehmen, wobei sie andere Teilnehmer zum Teil massiv belästigten und bedrohten. Dadurch kam es immer wieder zu kleineren Handgemengen im Verlauf der Demonstration.

Das hallesche Friedensbündnis ist trotz allem nicht willens/ nicht in der Lage, sich aktiv gegen die Neonazis zu positionieren und deren Teilnahme zu verhindern. Stattdessen wird das friedliche Anliegen der Demonstration durch die Teilnahme von Faschisten und die Knüppel der Polizei zur Farce und ihre Teilnehmer zu Statisten eines Naziaufmarsches in Halle. Neonazis keinen öffentlichen Raum und keine Plattform zu bieten sollte zum Selbstverständnis einer Friedensbewegung gehören, da sie sonst ihre Glaubwürdigkeit verloren hat.


Mit freundlichen Grüßen
AG Antifaschismus/ Antirassismus
im Studierendenrat der MLU


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Aufmarsch „Freier Nationalisten“ am 1. Mai in Halle

Am 1. Mai 2003 wird unter dem Motto „Arbeitsplätze statt Kriegseinsätze“ ein Neonaziaufmarsch in Halle stattfinden. Angemeldet hat diesen eine so genannte „Jugendinitiative für Arbeit, Freiheit und Frieden“, hinter welcher sich Angehörige der rechtsextremen organisierten und militanten so genannten „Freien Kameradschaften“ aus Halle und Köthen verbergen. Mit dem Motto „Arbeitsplätze statt Kriegseinsätze“ werden von den Neonazis Themen besetzt, mit denen sie sich in die Nähe der bürgerlichen Mitte zu setzen versuchen, wobei sich hinter diesem Motto wieder die bekannten fremdenfeindlichen und völkischen Parolen („Arbeit zuerst für Deutsche“, „Keine deutsches Blut und Geld für fremde Interessen“) verbergen. Massiv in Erscheinung traten die sachsen-anhaltinischen „Freien Kameradschaften“ mit dieser Strategie erst kürzlich bei verschiedenen Friedensdemonstrationen und Kundgebungen in ganz Sachsen-Anhalt, u.a. mehrmals in Halle, Magdeburg und Dessau.

Die Neonazis werden sich am 1. Mai ab 10.00 Uhr auf dem Hallmarkt versammeln und ab 12.30 Uhr durch die hallesche Innenstadt (Robert-Franz-Ring, Moritzburgring, Universitätsring, Curieplatz, Steinstraße, Steintor, Magdeburgerstraße zum Bahnhof/ Ernst-Kamieth-Platz) marschieren. Durch die bundesweite Mobilisierung der Neonazis nach Halle über Plakate, Flugblätter und vor allem über das Internet kann mit bis zu tausend Neonazis (u.a. aus Hamburg, Frankfurt/M. und Brandenburg) gerechnet werden. Sollte der Aufmarsch ungestört verlaufen, würde dies auch der organisierten städtischen und regionalen Neonaziszene erneuten Auftrieb geben.

Im Unterschied zu anderen Städten, in denen Neonazidemonstrationen zum Teil mehrmals im Jahr stattfinden (z.B. Magdeburg oder Leipzig) gab es in Halle seit 1990 lediglich 3 Aufmärsche (1991, 2000 und 2001), die von Hallensern und Gegendemonstranten alle mehr oder weniger behindert und gestört werden konnten. Der letzte Neonaziaufmarsch in Halle im Mai 2001 wurde von einer Sitzblockade zur Umkehr und zum vorzeitigen Abbruch gezwungen. Auch diesmal rufen wieder zahlreiche Gruppen zu konstruktiven und phantasievollen Gegenaktivitäten auf, um den Neonazis auch diesmal zu zeigen, dass sie und ihre Aufmärsche in Halle und auch generell nicht toleriert werden.


Mit freundlichen Grüßen,
AG Antifaschismus/ Antirassismus
im Studierendenrat der MLU

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Antisemitisches Plakat des Neuen Theaters ausdrücklich von Sodann erwünscht

Sehr geehrte Damen und Herren,

die AG Antifaschismus/ Antirassismus hat in einem Offenen Brief den Intendanten des Neuen Theaters in Halle (Saale), Peter Sodann, zu einer Stellungnahme aufgefordert. Grund ist das Werbeplakat für das Theaterstück „Die Wannseekonferenz“. Das Plakat zeigt eindeutig antisemitische Stereotype ohne sie zu brechen. Nach Aussagen von Helmut Brade, Gestalter des Plakates, sei die Figur, die einer antisemitischen Propaganda ähnelt, ein ausdrücklicher Wunsch von Peter Sodann.

Peter Sodann wird von der AG Antifaschismus/ Antirassismus zu einer Stellungnahme zu dem Plakat für das Stück „Die Wannseekonferenz“ aufgefordert.

Das Plakat ist einzusehen unter www.agantifa.de/ pressemitteilungen.


Mit freundlichen Grüßen

ag antifa/antira


Anhang: Offener Brief






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Offener Brief an den Intendanten des »Neuen Theaters« Halle, Herrn Peter Sodann

Das vom »Neuen Theater« aufgeführte Stück »Die Wannseekonferenz« von Paul Mommertz wird mit einem sehr problematischen Plakat beworben. Es reproduziert antisemitische Stereotype ohne ersichtlichen Versuch, diese in irgendeiner Art zu brechen.
Über eine Farbfläche, vom Plakatgestalter selbst als »nazihaftes Braun« charakterisiert, der erklärend lediglich die Worte »Die Wannseekonferenz« sowie Details zur Aufführung beigefügt sind, kriecht einen Gestalt mit animalischen Attributen und wahnhafter Mimik. Hände und Füße tragen Krallen, wilder Bartwuchs und fehlende Kleidung stellen sie außerhalb zivilisatorischer Werte. Sie erzeugt kein Mitleid, sondern eher Ekel und Abscheu. Dies ist kein Versehen, sondern Kalkül: Nach eigener Aussage gestaltete Prof. Helmut Brade für das »Neue Theater« ein Plakat »von besonderer Ekligkeit«, um »bestimmte Emotionen zu erzeugen«.
Die Parallelen zu antisemitischer Propaganda drängen sich auf. »Die Antisemiten instrumentalisieren die Bilder für ihre politische Agitation. Ihnen geht es um eine möglichst abstoßende Visualisierung der Juden.« stellt Michaela Haibl in »Zerrbild als Stereotyp – Visuelle Darstellung der Juden zwischen 1850 und 1900« fest und warnt, »daß die visuelle Festschreibung negativer Judentypen und ihre Popularisierung in allen zeitgenössischen Bildmedien zeitlich dem organisierten Antisemitismus vorausgeht.«
Selbst wenn, und davon gehen wir aus, das zugehörige Theaterstück einen gänzlich anderen Inhalt transportiert als das Plakat, so funktioniert dieses für sich. Jedes Plakat steht für sich, muss für sich stehen können. Die Wirkung auf die Betrachter, die im Stadtbild damit konfrontiert werden, ist entscheidend. Es ist im öffentlichen Raum das Transportmittel eines Statements, das in diesem Falle als antisemitisch gewertet werden muß.
Genausowenig, wie man davon ausgehen kann, daß Betrachter zwangsläufig die beworbene Veranstaltung besuchen, ist es – bei dieser Thematik – zulässig, auf ambivalente Empfindungen zu spekulieren, gar »provozieren« zu wollen. In Zeiten, in denen der latent vorhandene Antisemitismus zusehends offener geäußert wird, finden sich Statements, die noch vor wenigen Jahren dem rechtsextremen Rand zugeordnet wurden, in der »Mitte der Gesellschaft« wieder. Das jüngste Beispiel dürften die Äußerungen des Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann sein. Angesichts einer zunehmenden Relativierung der Naziverbrechen – etwa über die Stigmatisierung von Graffiti als »ganz gewöhnlichen Faschismus« durch Sie – ist ein bewußterer Umgang mit der eigenen Verantwortung dringend angeraten. Dies ist auch beim angesprochenen Plakat offensichtlich mißlungen.
Wir fordern deshalb eine selbstkritische Reflexion vom Gestalter und Ihnen als verantwortlichem Intendanten sowie eine Stellungnahme zu unserer Kritik.
Weiterhin sind wir nicht bereit, dieses Plakat im Stadtbild Halles zu tolerieren und fordern, das Stück »Die Wannseekonferenz« baldmöglichst mit einem geeigneteren Plakat zu bewerben.

AG Antifa/Antira im StuRa der MLU


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