Chronik der rassistischen und faschistischen Aktivitäten in Halle

1998
Im Jahr 1998 gab es in Sachsen Anhalt offiziell 1045 rechtsextremistisch motivierte Straftaten, 1997=1164, 1996=865 (Verfassungsschutz-Berichte-Land Sachsen-Anhalt). Im Bereich der Polizeidirektion Halle waren es 141. Die wirkliche Anzahl liegt bedeutend höher, da in die Statistik nur die angezeigten Straftaten einfließen und viele Opfer, insbesondere AusländerInnen, Angst vor nachfolgenden Repressionen haben, wenn sie Übergriffe melden.
21.Februar 1998:
Unter Polizeischutz führt der neofaschistische "Freiheitliche VolksBlock" (FVB) mit ca. 15-20 Personen einen Infostand am Leipziger Turm durch. Dabei fallen die Teilnehmer durch schwarz uniformiertes Auftreten und äußerst aggressives Verhalten auf.
28.Februar 1998:
In Zusammenhang mit einem Aufmarsch soll sich in Querfurt, mit Unterstützung hallescher Neonazis, eine Ortsgruppe des neofaschistischen FVB gründen. Der Aufmarsch wird jedoch verboten.
10.März 1998:
15-20 rechte Hooligans aus Magdeburg attackieren auf dem halleschen Marktplatz zwei Schwarzafrikaner. Die Polizei schaut diesem Treiben tatenlos zu.
15-20 Personen des neofaschistischen FVB aus Halle stören durch massives Auftreten, u.a. mit Kampfhunden, eine PDS - Wahlveranstaltung in Eisleben.
21.März 1998:
In Helbra findet in der Gaststätte "Zur Sonne" ein als FVB-Burschenschaftsfeier angekündigtes Nazikonzert mit mindestens 100 BesucherInnen statt. Es spielen der nationale Liedermacher Eggers aus Grevesmühlen, sowie die Band "Faustrecht". Zu dem Konzert reisen auch mindestens 40 Neonazis aus Halle an.
22.März 1998:
Beim Freundschaftsspiel Hallescher FC - Arminia Bielefeld werfen HFC-Hooligans Feuerwerkskörper in Richtung der Bielefelder Spieler. (MZ, 23.3.98) Unter den HFC-Hooligans befinden sich zahlreiche Neonazis.
31.März 1998:
Die rechtsextreme DVU führt vor dem Arbeitsamt Halle einen Infostand zur Verbreitung ihrer menschenverachtenden Politik durch.
3.April 1998:
Ca. 25 Mitglieder des neofaschistischen FVB nehmen als eigener Block an der DGB bzw. Bündnisdemonstration für soziale Gerechtigkeit teil. Die Verantwortlichen scheint dieses selbst nach Hinweisen darauf nicht zu stören. Grundtenor ist: Lieber die laufen uns hinterher, als wir denen.
Drei Neonazis (höchstwahrscheinlich aus dem FVB-Umfeld - d.A.) schlagen auf dem Markt einen vermeintlichen Linken zusammen. Dieser muß aufgrund seiner Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden.(MZ, 6.4.98) Über die politischen Hintergründe wird, wie so oft, geschwiegen.
4.April 1998:
In der Innenstadt findet ein Aufmarsch des neofaschistischen FVB mit anschließender "Fahnenweihe" am Fahnenmonument statt. Daran nehmen ca. 20 Personen teil. der stadtbekannte Neonazi Konrad Roock hält dabei eine Rede. Am Rande wird ein Mensch von den Neonazis mit Sprüchen wie: "Dich haben die wohl in Auschwitz vergessen." angepöbelt und angegriffen. Als dieser sich daraufhin zur Wehr setzt, greift die Polizei ein und erstattet Anzeige, allerdings nicht gegen die Neonazis. Die Polizei war insgesamt mit drei Hundertschaften im Einsatz, um den Naziaufmarsch zu schützen. (MZ 6.4.98)
21.April 1998:
Beim Besuch des Bundeskanzlers sind größere Gruppen von Neonazis anwesend, die teilweise trotz großen Polizeiaufgebots, verfassungsfeindliche Symbole präsentieren können. Sie heben während der Nationalhymne ihre Arme zum "Hitlergruß".
11.Mai 1998:
Zwei Männer greifen einen afrikanischen Asylbewerber zunächst in der Straßenbahn und dann auf offener Straße an. Der Afrikaner wird dabei beschimpft und durch Faustschläge und Fußtritte verletzt. Die Straßenbahnfahrerin bekam von dem Geschehen angeblich nichts mit. (MZ, 13.5.98)
17.Mai 1998:
Nach dem Fußballspiel Hallescher FC - SV Jenaer Glaswerk kommt es zu Ausschreitungen durch HFC-Hooligans. (MZ, 18.5.98) Unter den HFC-Hooligans befinden sich auch zahlreiche Neonazis.
6.Juni 1998:
Beim Fußballspiel HFC-Türkyemspor Berlin können nur durch Einsatz der Polizei Ausschreitungen verhindert werden. (Sonntagsnachrichten, 7.6.98)
21.Juli 1998:
Der extrem rechte "Bund freier Bürger" (BfB) führt auf dem Markt einen Infostand durch und sammelt Unterschriften für die Zulassung zur Bundestagswahl.
August 1998:

In Halle-Neustadt hetzen zwei Neonazis ihren Pitbull auf einen Sudanesen. Der Sudanese wird bei dem Angriff erheblich verletzt.
17./18.August 1998:
In den Straßen um die Harzmensa,im Paulusviertel und an der Dessauer Brücke tauchen Aufkleber zum Todestag des Hitlerstellvertreters Rudolf Heß auf.
1.September 1998:
13 Neonazis jagen einen Mosambikaner durch Halle-Neustadt und schlagen ihn mit Baseballschlägern, Knüppeln u.ä. zusammen. Außerdem wird ihm ein Auge ausgestochen. AnwohnerInnen und PassantInnen schauen weg. Der Mosambikaner wird auf dem verletzten Auge nie wieder sehen können. (MZ, 3.9.98 ff.)
In der Geiststraße greift die dort regelmäßig anwesende, zum Großteil aus rechten Jugendlichen bestehende Clique eine Gruppe Jugendlicher an, die dem Outfit nach eher links einzuordnen sind.
8.September 1998:
Nach dem Gedenkmarsch für den bei dem rassistischen Überfall am 1.September schwer verletzten Mosambikaner werfen Neonazis aus einem fahrenden Auto eine Flasche auf eine Gruppe linker Jugendlicher.
Anfang/Mitte September 1998:
An mehreren Häusern, in der Innenstadt tauchen Sprühereien auf, die mit C-18 unterzeichnet sind. C-18 steht dabei für die rechtsterroristische "Combat 18", wobei die 18 für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet - für Adolf Hitler - stehen.
12.Oktober 1998:
In einer Wohnung in Halle-Neustadt wird ein Afrikaner niedergestochen aufgefunden. Offiziell wird eine Beziehungstat vermutet. (MZ, 13.10.98)
15.Oktober 1998:
In der Kneipe "Hexenkessel" in der Carl-Robert-Str. Ecke Fischer von Erlach-Str. sitzen ca. 10 Neonazis, die das "Horst-Wessel-Lied" singen und "Sieg Heil" brüllen. Ein Gast wird mit Bier bekippt, ein anderer wird von einem der Neonazis geschlagen. Nach der Anzeige des Nazischlägers bei der Polizei werden die Anzeigenden trotz anwesender Polizei durch zwei mit Knüppeln bewaffnete Jungnazis verfolgt.
16.Oktober 1998:
In Halle-Neustadt verletzen Neonazis einen 18-jährigen Mann aus Sierra Leone mit einem Messer. Der Verletzte kann in eine Pizzaria flüchten. (MZ, 17.10.1998).
Am Abend werden auf dem Marktplatz drei vermeintlich Linke durch Neonazis angegriffen.
17.Oktober 1998:
Etwa 15 Neonazis greifen auf dem Marktplatz unter "Ausländer raus" - Rufen vier MigrantInnen an. Diesen kamen jedoch ca. 20 andere MigrantInnen zu Hilfe. Einer der Neonazis versuchte während der Auseinandersetzung einen 25-jährigen Nepalesen niederzustechen. (MZ, 19.10.98)
21.Oktober 1998:
An mehreren Stellen der Stadt werden antisemitische Schmierereien mit dem Text: "Juden in Halle unerwünscht" angebracht. (MZ, 22.10.98)
8.November 1998:
An mehreren Orten in Halle (u.a. auf dem Franckeplatz) wurden durch Neonazis Flugblätter mit Bezug zur Reichsprogromnacht hinterlassen. In einem Haus in der Reilstr. werfen Neonazis beispielsweise eine Scheibe ein und hinterlassen ebensolche Flugblätter.
9.November 1998:
An mehreren Stellen der Stadt (z.B. Franckeplatz, Dessauer Brücke) werden Neonazi-Transparente entdeckt. (Text: "9.11. - Ein Volk steht auf")
13.November 1998:
Etwa 15-20 rechte Jugendliche laufen vom August-Bebel-Platz durch die Martha-Brautzsch-Str. ins Paulusviertel und brüllen Parolen wie "Ausländer raus". Dabei handelte es sich teilweise um Besucher des "Offenen Kinder- und Jugendtreffs Orangerie".
13./14.November 1998:
Die rassistische Asylpolitik Deutschlands fordert in Halle ein Todesopfer. In der Nacht erhängt sich ein 16-jähriger indischer Abschiebehäftling im Jugendknast "Frohe Zukunft". Einziges Verbrechen des Jugendlichen war, keinen deutschen Paß zu besitzen.
20.November 1998:
Einige Neonazis skandieren am Abend in der Torstraße rassistische Parolen.
21.November 1998:
Ca. 10-12 Neonazis ziehen 10 Minuten Parolen gröhlend durch die Torstraße.
25.November 1998:
Eine Gruppe rechter Jugendlicher, darunter auch Besucher der "Orangerie" ziehen mit "Sieg Heil"-Rufen durch die Puschkinstraße.
26.November 1998:
Im Hardenberg-Cafe im Paulusviertel findet mit ca. 10 Personen ein DVU-Stammtisch statt.
Nachts tauchen in der gesamten Innenstadt C 18-Sprühereien auf, die sich auch konkret gegen Personen richten.
7.Dezember 1998:
Drei höchstwahrscheinlich aus der Silberhöhe stammende Neonazis greifen in der Merseburger Str./Lutherstr. einen linken Jugendlichen an. Ein Neonazi versucht dabei dem Angegriffenen die Haare mit einem Messer abzuschneiden. Der Angegriffene, dem es gelingt den Neonazi zu entwaffnen, wird leicht verletzt.
16./17.Dezember 1998:
Im Paulusviertel greifen zwei mit Baseballschläger und Eisenkette bewaffnete Neonazis (u.a. Sven Wildauer) einen Linken an. Nach Abwehr des Angriffs gelingt dem Linken die Flucht.
In Heide-Nord versuchen Neonazis die Wohnung eines Punks zu stürmen, wobei dieser verletzt wird.
18.Dezember 1998:
Am Vormittag ziehen größere Gruppen von Neonazis durch die Innenstadt, bedrohen Menschen, grölen "Sieg Heil" und randalieren. Die Polizei nimmt sechs mit Baseballschlägern und Messern bewaffnete Neonazis fest. (MZ, 19.12.98)
21.Dezember 1998:
Gegen 20 Uhr jagt eine größere Gruppe ca. 18-20jähriger Neonazis aus dem Saalkreis einen linken Jugendlichen von Kleinschmieden, Brüderstraße in Richtung Markt. Der Jugendliche kann flüchten.
31.Dezember 1998:
In der Silvesternacht greift in Hohenturm eine größere Gruppe Neonazis 3 Punks an und verletzt diese teilweise schwer.
Im Laufe des Jahres 1998 erhalten AusländerInnen, Linke, aber auch VertreterInnen von Parteien und Initiativen Drohbriefe bzw. Drohanrufe von Neonazis.


1999
Im Jahr 1999 gab es in Sachsen Anhalt offiziell 929 rechtsextremistisch motivierte Straftaten, 1998=1045, 1997=1164 (VS-Berichte-LSA). Die wirkliche Anzahl liegt bedeutend höher, da in die Statistik nur die angezeigten Straftaten einfließen und viele Opfer insbesondere so genannte AusländerInnen Angst vor nachfolgenden Repressionen haben.
8.-10.Januar 1999:
Im Hotel "Maritim" (Innenstadt) findet unter massiven Polizeischutz der "Deutsche Studententag" der rechtskonservativen studentischen Korporationen von "Coburger Convent" (CC) und "Deutscher Sängerschaft" (DS) statt.
8.Januar 1999:
Trotz massiver Polizeipräsenz in der Innenstadt ("Deutscher Studententag") können ca. 15 Neonazis einen Jugendlichen über den Marktplatz von Halle jagen und unbehelligt mit der Straßenbahn abfahren.
9.Januar 1999:
Gegen zwei Uhr morgens gelingt einem Linken, der von 3 Rechten mit dem Auto bis in die Ludwigstraße verfolgt wurde, die Flucht.
11.Januar 1999:
Gegen 21 Uhr werden zwischen Markt und Franckeplatz in der "Straßenbahnlinie 1" zwei linke Jugendliche durch 7 Neonazis, darunter 2 Frauen, verbal angemacht. Ein Neonazi zeigt den "Hitlergruß".
14.Januar 1999:

Gegen 23 Uhr werden 2 Linke am Rannischen Platz durch 3 Jungnazis und einen älteren Nazi verbal attackiert. Einer versucht, zuzuschlagen. Der Angriff wird abgewehrt.
18.Januar 1999:
Gegen 19.30 Uhr pöbeln 3 ältere, betrunkene Nazis, darunter Steffen Fenske, vor dem alternativen "Wohn-und Kulturprojekt" Ludwigstr.37 'rum. Einer wirft eine Fensterscheibe ein.
23.Januar 1999:
Von 10-12 Uhr sammelt die CDU auf dem Marktplatz in Halle und vor der Kondi-Kaufhalle in Landsberg Unterschriften für ihre rassistische Kampagne "Gegen die doppelte Staatsbürgerschaft". Dabei wird auch Werbematerial für die Kampagne verteilt, das sich durch nichts von den Materialien der als rechtsextrem beziechneten Parteien, wie z.B. DVU, NPD u.a. unterscheidet.
Am frühen Nachmittag fand sich auf der Leipziger Straße (Boulevard) eine gute Handvoll Neonazis ein, die einen kurzen Spontanaufmarsch durchführten, wobei sie "Hier marschiert der nationale Widerstand" brüllten.
Ende Januar 1999:
In der Innenstadt tauchen Aufkleber mit Bezug zur rechtsterroristischen "Combat-18" auf. Auf den Aufklebern befinden sich verbotene nationalsozialistische Symbole, u.a. der "Reichsadler" des "3. Reiches" mit Hakenkreuz.
Anfang Februar 1999:
Im Tunnel am Bahnhof tauchen Sprühereien mit Bezug zur rechtsterroristischen "Combat-18" auf.
4.Februar 1999:
Etwa 20 Neonazis aus Freiimfelde und Halle(Silberhöhe) feiern in Merseburg eine Party. Im Anschluß an die Feier schlagen diese auf dem Weg nach Schkopau zwei Menschen zusammen.
6.Februar 1999:
Bei einer Party im "Waldorfkindergarten" befindet sich eine größere Gruppe rechter Jugendlicher, so dass einige Gäste aus Angst um ihre eigene Sicherheit diese wieder verlassen müssen.
20.Februar 1999:
Um 1.45 Uhr befinden sich auf dem Marktplatz in der Buslinie 97 acht Neonazis, die "Sieg Heil" und "Wir kriegen Euch alle" brüllen.
22./23.Februar 1999:
In der Nacht werfen Neonazis am Glauchaer Platz C-18-Flyer, u.a. mit Texten wie "Bergtürken verpißt Euch! Kein Recht der PKK in Europa!" und "Widerstand gegen Kurdenterror! Europa ist nicht Eure Berghütte", ab.
24.Februar 1999:
In der Nähe vom "Steg" werden A4-und A5-Plakate sogenannter "Freier Nationalsozialisten Halle/Saale" und Flyer der "NSDAP/AO" mit Hakenkreuz und Aufschrift "NS-Verbot aufheben!" gefunden. Diese werden soweit möglich durch AntifaschistInnen entfernt.
27.Februar 1999:
An einer von der NPD in Magdeburg angemeldeten Veranstaltung nehmen auch mehrere Neonazis aus Halle, u.a. Sven Liebich ("Blood & Honour") und Falko Pick ("Freiheitlicher VolksBlock"(FVB)) teil.
6.März 1999:
In einem Haus in der Ludwig-Wucherer-Straße findet eine Party statt, bei der PassantInnen mit "Heil Hitler"-Gebrüll belästigt werden.
24.März 1999:
Aus einer Gruppe von drei Jungnazis wird ein Jugendlicher angegriffen. Der Angegriffene wird dabei verletzt (Bruch des Nasenbeins und Hämatome im Augenbereich). Haupttäter ist Nico Aubel, ein regelmäßiger Besucher der "Orangerie".
31.März 1999:
Ca. 20 Neonazis laufen durch die Carl-von-Ossietzky-Straße im Paulusviertel und brüllen "Deutschland den Deutschen".
14.April 1999:
Auf einem Fensterbrett vor dem Verhandlungssaal am LG Halle, in dem die Prozesse wegen des Überfalls auf einen Mosambikaner am 1.9.98 stattfinden, befinden sich Schmierereien; "88!!!" und "WAW" (für "Heil Hitler" und "Weißer Arischer Widerstand"-d.A.), die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von Prozessbesuchern aus dem Umfeld der Angeklagten angebracht wurden.
17.April 1999:
An der von der NPD in Magdeburg angemeldeten Demonstration nehmen etwa 45 Neonazis aus Halle und Umgebung teil. Unter diesen befinden sich ca. 12-15 Personen, die sich offen zur sogenannten "Weissen Offensive Halle/Saale" bekennen, u.a. Ingo Radtke, Madelaine Varga, Ronny Wätzel, Sebastian Hassel, Gregor Staudte, Raik Trummer, Enrico "Jeronimo" Reinicke.
22.April 1999:
Fünf Neonazis der "Weissen Offensive Halle/Saale" besuchen die sogenannte Szenekneipe "NÖÖ". Sowohl die BetreiberInnen, als auch die zahlreich anwesenden Gäste stört dieses nicht. Erst als die Neonazis beginnen, Lieder zu singen, die die deutsche Wehrmacht verherrlichen, erhalten sie kein Bier mehr. Daraufhin verlassen sie die Kneipe, wohlgemerkt nicht aufgrund von Aktivitäten, die sich gegen ihre neofaschistische Einstellung wenden.
29.April 1999:
Am Abend jagen ca. 40 Neonazis der "Weissen Offensive Halle/Saale" und der "Weissen Bruderschaft" (Merseburg) einen Jugendlichen, in der Nähe der "Heideklause" (Carl-Schorlemmer-Ring in Halle-Neustadt).
30.April 1999:
Bei der Abi-Abschlußfete auf der Peißnitz ist, wie jedes Jahr, eine größere Anzahl (ca. 50) Neonazis präsent. Darunter befinden sich neben Mitgliedern der "Weissen Offensive Halle/Saale" auch eine Gruppe mit ähnlichen Rückenstickereien auf den Bomber-Jacken, die sich "Gimritzer Jungs Halle/Saale" nennen. Bei mehreren Auseinandersetzungen werden mehrere Personen verletzt. Zwei Jugendliche müssen zur Behandlung ihrer Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden.
1.Mai 1999:
Am frühen Morgen sind ca. 50 Neonazis, u.a. der "Weissen Offensive Halle/Saale" an der ARAL-Tankstelle in Halle-Neustadt präsent. Ein Großteil der Neonazis besteigt einen Reisebus, um zur 1.Mai-Demonstration des sogenannten nationalen Widerstandes zu fahren. Da die Plätze schon teilweise besetzt sind, zieht der Rest randalierend durch Halle-Neustadt. Fünf Neonazis aus dieser Gruppe schlagen und treten einen Skater zusammen.
2.Mai 1999:
Gegen 21 Uhr jagen ca. 20 Neonazis der "Weissen Offensive Halle/Saale" (evtl. auch "Weisse Bruderschaft" (Merseburg) einen Jugendlichen, in der Nähe der Schwimmhalle (Halle-Neustadt).
Anfang Mai 1999:
In der Nacht vom 6. zum 7. bzw. 7. zum 8.Mai werden im Paulusviertel massiv Aufkleber zum "Tag der Niederlage" und andere, z.B. mit Aufschriften, wie "Fegt ihn weg - den roten Dreck" und "Nachdenken statt Nachplappern. Gegen linke Bevormundung ..." geklebt.
8.Mai 1999:
Am Merseburger Bahnhof sammeln sich ca. 60 Neonazis aus der Region Halle, Saalkreis, Merseburg, um dann geschlossen zu einer gemeinsamen Veranstaltung zu fahren. Diese dauert bis zum späten Abend und wird durch die Polizei geschützt.
13.Mai 1999:
Größere Gruppen von Jungnazis ziehen am "Herrentag" gröhlend durch die Innenstadt.
An der "Eselsmühle" in Halle-Neustadt laufen etwa 30-40 Neonazis auf, größtenteils Mitglieder der "Weissen Offensive Halle/Saale". Die Polizei ist mit stärkeren Kräften vor Ort und beobachtet diese.
Im Gegensatz zu den Vorjahren werden weniger Übergriffe von Nazis und anderem Rassisten öffentlich bekannt.
5.Juni 1999:
Gegen 1.40 Uhr schlagen acht Neonazis auf dem Marktplatz zwei Kurden zusammen. Die Angegriffenen werden schwer verletzt. Ein Neonazi wird von der Polizei festgenommen.
Gegen drei Uhr versuchen (höchstwahrscheinlich) Neonazis den "Asia-Imbiss" in der Bernburger Str. Ecke Blumenstraße anzuzünden. Dieses wird jedoch rechtzeitig bemerkt. Es entsteht nur geringer Sachschaden.
9.Juni 1999:
Dem "Antifaschistischen SchulNetz"(ASN) werden fristlos die im "offenen" Kinder- und Jugendtreff "Orangerie" angemieteten Räumlichkeiten gekündigt. Dem ASN werden in der Kündigung die im "FUEGO" erschienenen Artikel zu offensichtlichen Tendenzen in der "Orangerie" (weg von der offenen Sozialarbeit, hin zur akzeptierenden Sozialarbeit mit rechten Jugendlichen), sowie ein in der "Orangerie" aufgetauchter Antifa-Aufkleber zur Last gelegt. Weiterhin erhalten einige Mitglieder des ASN Hausverbot. Dieses wird zunächst einigen anwesenden Jugendlichen (keine vom ASN) mitgeteilt.
10.Juni 1999:
Zwischen 0 und 1 Uhr kleben Neonazis in der Innenstadt NPD-Plakate. Ein engagierter Bürger, der ein frisch geklebtes Plakat entfernt, wird von 4 Neonazis gejagt, kann jedoch flüchten. Die Neonazis waren mit einem weißen Kleinbus mit Merseburger Kennzeichen unterwegs.
14.Juni 1999:
Gegen 12 Uhr greifen in Ammendorf Neonazis einen Schwarzafrikaner in einer Straßenbahn an und schlagen diesen zusammen.
19.Juni 1999:
Auf dem Weg zum Fußballspiel Anhalt Dessau - Hallescher FC greifen HFC-Fans, unter denen sich auch immer größere Gruppen Neonazis befinden, die am Bahnhof befindlichen Punks an. Mindestens 2 Punks werden krankenhausreif geprügelt. In Dessau werden durch die HFC-Fans 2 Schwarzafrikaner angegriffen.
25.Juni 1999:
Am Abend greifen drei Jungnazis, in einer Straßenbahn in der Freiimfelder Str., einen Sudanesen an. Dieser setzt sich zur Wehr. Der Sudanese und die drei Angreifer werden verletzt und müssen teilweise im Krankenhaus behandelt werden.
10.Juli 1999:
Nach einer Veranstaltung des alljährlichen Kinosommers auf der Peißnitz werden gegen drei Uhr früh 2 Jugendliche durch eine größere Gruppe Neonazis angegriffen, zusammengeschlagen und getreten. Die beiden Jugendlichen müssen auf Grund ihrer Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden. Nach Prahlereien der Neonazis griffen diese davor schon andere Menschen an.
Die "Weisse Offensive Halle/Saale" beteiligt sich an der Nazidemonstration gegen die "Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944" in Hamburg. Darunter u.a. Raik Trummer, Sebastian Hassel.
17.Juli 1999:
Zwischen ein und drei Uhr früh greift eine größere Gruppe (ca.30) Neonazis, die mit Baseballschlägern bewaffnet und größtenteils schwarz uniformiert sind, andere Jugendliche am Heidesee an. Dabei werden die Angegriffenen verletzt. Dieses ist nicht der erste größere Zwischenfall am Heidesee. Bereits in den Vorjahren fielen immer wieder Neonazis in Gruppenstärken zwischen 20 bis 40 Personen durch Überfälle und Feiern auf.
24.August 1999:
Am "Flimmrich" in der Großen Brunnenstraße wird aus einem fahrenden VW Golf, der offensichtlich mit 5 Neonazis besetzt ist, durch den Beifahrer ein Fahrradfahrer mit einem Baseballschläger vom Rad geschlagen und erheblich verletzt. Hierbei ist von einem gezielten Angriff auszugehen, da der Wagen zunächst an dem späteren Opfer vorbeifuhr und dann wendete. Als Halter des Fahrzeugs ist Dennis Bange aus Teutschenthal eingetragen.
4.September 1999:
In der Nacht zum Sonntag findet im Kulturhaus von Garitz (Landkreis Anhalt-Zerbst) ein Blood & Honour - Konzert mit 2000 Besuchern, u.a. aus Deutschland, Dänemark, Großbritannien, Österreich, Schweiz, Tschechien und Polen statt. Dabei treten Blue Eye Devil(USA), Chaos 88(USA), Kraftschlag(D), und Ultima Ratio auf. Die Polizei, die 24 Stunden vor dem Konzert von diesem erfuhren, verwahren für die Nazis Knüppel, die sie bei Vorkontrollen bei Zerbst "gefunden" haben. Diese erhalten die Nazis nach Ende der Veranstaltung (ca. 2 Uhr früh) zurück (sic!). In die Vorbereitung bzw. Durchführung sind die seit geraumer Zeit in Halle existierende Blood & Honour - Gruppe bzw. Mitglieder dieser, sowie die "Kameradschaft Köthen" eingebunden.
15.September 1999:
Gegen 21 Uhr ziehen zwischen 5-8 Neonazis mit einer Reichskriegsflagge, gröhlend aus Richtung Marktplatz kommend an der "Marktwirtschaft" vorbei, in Richtung Große Steinstraße.
15.Oktober 1999:
Gegen 23 Uhr wird ein Togolese auf der oberen Leipziger Straße von 7 Jungnazis im Alter von 15-17 Jahren aus Halle und Merseburg, rassistisch beschimpft und mit Pflastersteinen beworfen. Der Angegriffene blieb glücklicherweise unverletzt und konnte flüchten. Bei den vorläufig festgenommenen Tätern fand die Polizei eine Schreckschuss-Pistole und einen Totschläger. Sie ermittelt u.a. wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz. Weiterhin wird eine mögliche Anzeige wegen Volksverhetzung geprüft.
22.Oktober 1999:
Gegen 21.20 Uhr provoziert in der Straßenbahnlinie 7 eine Gruppe von sieben Deutschen eine Auseinandersetzung und greift fünf afrikanische Asylbewerber an. Auf dem Markt eskalierte diese zu einer größeren Schlägerei, wobei einer der deutschen Angreifer durch ein Messerstich verletzt wurde. Die Polizei verhält sich wie (fast) immer rassistisch und macht die Opfer zu Tätern und begründet dieses damit, daß bei den Asylbewerbern drei Messer sichergestellt wurden. Der politische Hintergrund des Angriffs wird wie so oft ausgeblendet, da es -angeblich- keine Hinweise auf die Zugehörigkeit der rassistischen deutschen Täter zur rechten Szene gibt.
31.Oktober 1999:
Am Abend wird an der Kreuzung Vogelweide/Elsa-Brandström-Straße ein Asia-Imbiss angezündet. Bereits drei Wochen zuvor wurde in Teutschenthal ein neu aufgestellter Döner-Imbiss angezündet. An einer Wagenwand wurden im Nachhinein Nazi-Sprühereien entdeckt.
6.November 1999:

Am späten Nachmittag beschädigen am Stadion am Zoo ca. 30-40 HFC-Hooligans Fahrzeuge von Spielern des VfL Halle 96. Als die zwei Fan-Busse des VfL vom Auswärtsspiel zurückkommend dort eintreffen, greifen die Hools diese an. Welcher politischen Gesinnung die Angreifer sind, zeigt die auf ihren Schals dargestellte Schwarz-Weiß-Rote Fahne.
Am Abend soll in den Michelner Bierstuben in Micheln bei Köthen ein Nazi-Konzert stattfinden. Die Polizei löst die Veranstaltung jedoch auf. Von den etwa 150 anwesenden Nazis wird ein 21jähriger aus Tangerhütte vorläufig festgenommen. Der Rest kann unter polizeilicher Beobachtung aber ansonsten unbehelligt abziehen, obwohl bei Auflösung der Veranstaltung "Sieg Heil" - und "Judensau" - Sprechchöre gerufen wurden.
8.November 1999:
In der Nacht zum 9.November, dem Tag der Reichsprogromnacht, werfen Neonazis in diversen Stadtteilen Flyer ab und kleben Plakate mit eindeutig antisemitischer und nationalistischer Hetzpropaganda.
Inhaltlich sind diese qualitativ höherwertiger-im negativen Sinne- im Vergleich zum Propagandamaterial der Vorjahre.
Beim Plakate kleben wird ein weißer Kleinbus mit schwarzer Heckklappe aus fernöstlicher Produktion mit Merseburger Kennzeichen gesichtet.
13.November 1999:
Gegen 2 Uhr früh schlagen die 2 Neonazis Sven Below und Steffen Quaschny mit schweren Holzknüppeln auf die in ihren Augen äußerst undeutschen Briefkästen und die Klingelanlage am alternativen Wohn- und Kulturprojekt Ludwigstraße ein, während ein dritter Neonazi im Auto wartet. Einer der Neonazis ist Mitglied der "Weissen Offensive Halle/Saale".
24.Dezember 1999:
Am Abend zieht eine größere Gruppe Jungnazis "Sieg Heil"-brüllend durch die Matha-Brautzsch-Straße über den August-Bebel-Platz in Richtung Puschkinstraße.
28.Dezember 1999:
Gegen 19.15 Uhr ziehen 6-7 Jungnazis durch die Schleiermacherstraße - wo sie u.a. "Deutschland den Deutschen" brüllen - über die Willy-Lohmann-Straße zum "Edeka" in der Ludwig-Wucherer-Straße.
Im Laufe des Jahres 1999 erhalten diverse Initiativen, AusländerInnen, Linke, aber auch VertreterInnen von Parteien und Initiativen Drohbriefe bzw. Drohanrufe von Neonazis oder tauchen auf so genannten Schwarzen Listen der "Anti-Antifa" auf.


2000

24./25. Januar 2000
In der Gegend Geiststraße/Am Harz werden mehrere Nazi-Plakate gefunden und entfernt. Das äußerst primitive Niveau - sowohl gestalterisch, als auch inhaltlich - wollen wir hier nicht kommentieren.
5. Februar 2000
Im Haus der halleschen "Burschenschaft Germania" in der Wilhelm-Külz-Straße findet eine Feier mit Burschenschaftern und mindestens 30 Naziglatzen statt, wobei die Zahl dieser eventuell nach oben zu korrigieren ist. Anwesend sind aber auch mindestens zwei Anzugträger, die nur durch ihren "88"-Anstecker auffallen (Die "88" steht für den 8. Buchstaben im Alphabet und bedeutet "Heil Hitler"). Unter den anwesenden Naziglatzen befinden sich Mitglieder von "Weisse Wotans Bernburg" und der "Weissen Offensive Halle/Saale", u.a. Ronny Wätzel. Im Umfeld des Hauses werden Fahrzeuge von Gästen aus Halle, Bitterfeld, Bernburg, Köthen, dem Mansfelder Land und Jena festgestellt. Höhepunkt der Veranstaltung war ein Konzert mit dem rechtsextremen Liedermacher Frank Rennecke.
11. Februar 2000
Gegen 21 Uhr pöbeln 5 Nazis, darunter eine Frau, in einer Straßenbahn am Rannischen Platz einen Schwarzafrikaner an. Am Markt steigen diese aus und treffen sich mit weiteren Kameraden.
Ende Februar 2000
Seit etwa Anfang Februar treffen sich an den Wochenenden in Halle (Silberhöhe) Neonazis in einer Gaststätte an der Industriestraße. Diese ist zu einem festen Treffpunkt der Naziszene in der Silberhöhe geworden. Nach dem Gaststättenbesuch ziehen die Nazis in 2-3 Gruppen mit bis zu 15 Leuten, die teilweise mit Baseballschlägern bewaffnet sind, durch die Silberhöhe. Dabei greifen sie gezielt Andersdenkende und Andersaussehende an, zum Teil mit ernsten Folgen für die Betreffenden.
23. Februar 2000
Gegen 18.30 Uhr wird ein Mensch von 3 Nazis aus der Clique vom "Roten Turm" auf dem Marktplatz angegriffen und geschlagen. Dabei erlitt der Angegriffene einige Schwellungen im Gesicht. Die in unmittelbarer Nähe befindlichen Polizisten vom Polizeirevier Mitte unternahmen trotz Aufforderung des Betroffenen nichts. Da dieser noch seine Fototasche, die etwas abseits stand holen wollte, ging dieser noch mal zurück. Dabei zog er bei Rückkehr ein Messer um die Nazis auf Distanz zu halten. Nachdem der Betroffene wieder bei den Polizisten war, um Anzeige zu erstatten, nahmen diese ihm das Messer ab. Daraufhin wurde der Betroffene nochmals von den Nazis angegriffen, wobei die direkt neben ihm stehenden Polizisten tatenlos zusahen. Der Betroffene erhielt im Anschluß noch eine Anzeige wegen Bedrohung. Einer der auf dem Markt anwesenden Polizisten soll außerdem noch rassistische Äußerungen gegenüber einen vorübergehenden Schwarzafrikaner verlauten lassen haben.
In der Nacht zum Donnerstag wird in Trotha ein alternativ aussehender Jugendlicher von 5 Nazi-Skins angegriffen. Diese ritzen ihm mit einem Messer ein Kreuz auf die Stirn.
24. Februar 2000
Am späten Nachmittag wird eine Frau von Nazis aus der Clique vom "Roten Turm" auf dem Marktplatz angegriffen.
26. Februar 2000
Zwischen 18 und 19 Uhr wird in einer Straßenbahn am Steintor ein Skater von 3 Neonazis angegriffen, geschlagen und einiger seiner Sachen beraubt.
Gegen 19 Uhr kommt es auf dem Marktplatz zu einer Auseinandersetzung zwischen einigen Migranten und mindestens 2 Nazis. Die Polizei greift in die Auseinandersetzung ein.
27. Februar 2000
Gegen 17 Uhr schlägt ein Nazi am "Roten Turm" (Marktplatz) einen Obdachlosen zusammen. Der angreifende Nazi wird durch die in unmittelbarer Nähe befindlichen Polizisten nicht belästigt.
29. Februar/1.März 2000
In der Gegend der Giebichensteinbrücke, Burg Giebichenstein und der "Gose" (Burgstraße), werden von AntifaschistInnen Plakate der "Jugendfront" entdeckt, u.a. mit darauf befindlichen Sätzen wie "Es gibt kein Kampf zwischen den Klassen, sondern nur zwischen den Rassen". Die Plakate wurden soweit möglich entfernt.
1. März 2000
Gegen 19.30 Uhr werden 3 Skater auf dem Skaterplatz an der Richard-Wagner-Straße von 2 Nazi-Skins um Zigaretten angeschlaucht. Ein Skater erhält einen Tritt in den Unterleib.
Erstes Märzwochenende 2000
In Halle gründet sich ein Kreisverband der extrem rechten "Nationaldemokratischen Partei Deutschlands" (NPD) mit 14 Mitgliedern. Kreisvorsitzender ist Denny Huschenbett, der gleichzeitig Mitglied der "Weissen Offensive Halle/Saale" ist. Als Stellvertreter wurden Frank Köhmstedt und Christian Bauer gewählt. Als Schatzmeister des Kreisverbandes fungiert der ehemalige CDU-Stadtrat Peter Machleid.
4. März 2000
In der Nacht kommt es in einer Straßenbahn, die aus Richtung Franckeplatz kommt, am und auf dem Marktplatz zu einer Auseinandersetzung zwischen 2 Antifas und 6-7 Neonazis. Einem der beiden Antifas wird der Unterkiefer gebrochen. Außerdem erleiden beide Blutergüsse und Prellungen.
Gegen 1 Uhr früh wird auf dem Hallmarkt ein Mensch aus einer Gruppe von 7 Nazi-Skinheads angegriffen und geschlagen.
In der Gegend Reileck müssen Skater vor einer etwa 10-köpfigen Neonazi-Gruppe flüchten. In der zurückliegenden Woche gab es, außer dem Übergriff am 1.März, bereits einen ähnlichen Vorfall.
6. März 2000
Bei der Rosenmontagsfeier auf dem halleschen Marktplatz fällt des öfteren eine Gruppe von 5 Jungnazis auf, die den Hitlergruß zeigen und "Sieg Heil" rufen. Einem Zeugen, der daraufhin diverse Polizisten anspricht, wird nur entgegnet, daß er ja Anzeige stellen könne. Obwohl auch einzelne Polizisten die Aktivitäten der Jungnazis registrierten, griffen diese nicht ein.
18. März 2000
In der Waldorfschule in Halle (Beesen) findet ein Treffen des so genannten "Nationalen Widerstandes" statt. An diesem nehmen etwa 40-50 Neonazis aus Halle und dem Saalkreis teil. Angemeldet wurde die Veranstaltung durch einen gewissen Herrn Naumann bzw. Neumann als eine Veranstaltung des Angelvereins Döllnitz. Nachdem die Hausrechtsinhaber den wahren Charakter des Treffens bemerkten, riefen diese die Polizei, die das Treffen auflöste. Dabei wurden 28 Neonazis ein Platzverweis erteilt und bei einer Person Propagandamaterial sichergestellt.
24. März 2000
In der Nacht zum Samstag werden 6 Jugendliche durch einen Neonazi mit einer Pistole bedroht. Als kurze Zeit später ein Polizeiwagen an ihnen vorbeifuhr, liefen die Jugendlichen diesem gestikulierend hinterher, woraufhin dieser anhielt. Die Schilderung der kurz zuvor stattgefundenen Ereignisse rief bei den Polizisten nur Desinteresse hervor; diese weigerten sich eine entsprechende Anzeige aufzunehmen.
11. April 2000
Am späten Abend werden 2 junge Frauen von einem Nazi angepöbelt und angegriffen. Der erste Vorfall ereignete sich gegen 23 Uhr in der Reilstraße/Ecke Kohlschütterstraße. Der Nazi, der in Begleitung einer größeren blonden Frau war und seinen braun-weiß gefleckten Pitbull ausführte, pöbelte eine junge Frau an, die ihren Hund nicht an der Leine führte. Nachdem die Frau der Aufforderung nicht nachkam, trat der Nazi auf den Hund ein. Bei dem Versuch ihren Hund zu schützen, wurde die Frau in ein Handgemenge verwickelt. Glücklicherweise ließ der Nazi recht bald von ihr ab. Ca. eine Stunde später wiederholte sich ähnliches in der Nähe vom Reileck.
Der gleiche Nazi pöbelte eine andere Frau an und trat auf ihren Hund ein, diesmal allerdings mit schwereren Folgen für die betroffene Frau. Nachdem sie von dem Nazi brutal mit einem Pistolenknauf ins Gesicht geschlagen wurde, musste sie aufgrund einer erhebliche Verletzung an der Wange in ein Krankenhaus eingeliefert werden.
15. April 2000
Gegen 20.30 Uhr wird auf der Berliner Brücke ein Skater von 2 Nazi-Skins aus einem vorbeifahrenden schwarzen VW Golf II mit einem Baseballschläger vom Fahrrad geschlagen.
22. April 2000
Im Haus der "Halle-Leobener Burschenschaft Germania" in der Wilhelm-Külz-Str.6 findet ein Treffen von Krawatten- und Stiefelnazis statt. Darunter u.a. Andreas Klang (Mitglied der ehemaligen "Burschenschaft Franco-Germania" Halle, die in obiger Burschenschaft aufgegangen ist, Pressesprecher der "Jungen Landmannschaft Ostpreußen" und MBL-Kandidat bei der letzten Kommunalwahl in Halle), Steffen Hupka (ehemaliger NPD-Landesvorsitzender Sachsen-Anhalt und NPD-Schulungsleiter), Mirko Appelt (selbsternannter Führer der "Kameradschaft Klötze" und "Selbstschutz Sachsen-Anhalt", mittlerweile in Wolmirstedt wohnend) und Sven Liebich ("Blood & Honour", ehemaliger Betreiber des "Ultima-Tonträgerversandes", Betreiber des Ladengeschäftes "Midgard" in der Bautzmannstr.11 in Leipzig und des Ladens "The last resort" in der Lauchstädter Str. 17 in Halle, des weiteren beim "Nationalen Widerstand Halle/Saale" aktiv).
Am Heidesee findet eine Nazifeier statt. Nach unbestätigten Infos sollen dort ca. 100 Nazis aufgelaufen sein. Auch die Polizei hat stärkere Einsatzkräfte vor Ort und beobachtet die Nazis.
1. Mai 2000
In mehreren Städten kommt es zu Naziaufmärschen. An diesen sind auch Nazis aus Halle beteiligt. In Berlin-Hellersdorf läuft eine Gruppe der "Freien Kameradschaft Halle/Saale", die auch unter dem Logo des "Nationalen Widerstandes Halle/Saale" firmiert, auf. In Grimma ist eine Gruppe der "Weissen Offensive Halle/Saale" am Start. Knapp 20 Mitglieder der "Weissen Offensive" ziehen nach ihrer Rückkehr aus Grimma vom Bahnhof aus reichskriegsflaggenschwingend und Parolen gröhlend ("Hier marschiert der nationale Widerstand") über den Boulevard in Richtung Markt. Die Polizei ist mit etwa 40 Einsatzkräften vor Ort.
12. Mai 2000
Vier Jungnazis ziehen "Unsere Parole steht an jedem Haus - Deutschland den Deutschen - Ausländer raus" gröhlend durch die Schleiermacherstraße. Als diese daraufhin von 2 Menschen zur Rede gestellt werden, reagieren diese äußerst agressiv.
20. Mai 2000
In Köthen findet eine Antifa-Demo mit ca 100 Personen gegen das dortige Nazi-Zentrum im Holländerweg und eine gleichzeitig von einer sogenannten "Bürgerinitiative gegen Drogen" angemeldeten Kundgebung statt. Bei der "Bürgerini"-Veranstaltung handelte es sich um eine von dem Nazi Steffen Boesener ("Freie Kameradschaft Köthen") angemeldete Veranstaltung, an der Steffen Hupka (siehe oben) und Christian Worch aus Hamburg ("Freie Nationalisten") als Hauptredner auftraten. Insgesamt nahmen an der Nazi-Veranstaltung etwa 250 Nazis, darunter auch etwa 50 Nazis aus Halle ("Freie Kameradschaft Halle/Saale", "Weisse Offensive Halle/Saale" und "Weiss & Stolz") teil, beispielsweise Sven Liebich (siehe oben) und Falko Pick ("Freiheitlicher VolksBlock"(FVB), "Weisse Offensive").
14. Juni 2000
Im "Krug zum Grünen Kranze" findet am Abend eine NPD-Saalveranstaltung statt, an der inklusive Saalschutz etwa 100 Nazis teilnehmen. Als Hauptredner tritt Udo Voigt, der NPD-Bundesvorsitzende auf. Die NPD-Veranstaltung wird durch die Polzei vor gleichzeitig stattfindenden antifaschistischen Protesten beschützt.
21. Juli 2000
Nachdem ein Teil ehemaliger ZwangsarbeiterInnen nach jahrzehntelangem Kampf endlich einen Anspruch auf, wenn auch armselige, Entschädigungszahlungen gegenüber Deutschland hat, deren Auszahlung sich allerdings noch mal um Jahre verzögern könnte, da die deutsche Wirtschaft am Hungertuch zu nagen scheint; wurde bekannt, dass so genannte aus den ehemaligen deutschen Gebieten Vertriebene einen Anspruch auf einmalige Zahlung von 4000,-DM nach dem 1994 in kraftgetretenen Vertriebenen-Zuwendungsgesetz haben. In Halle haben dadurch bisher 22900 Personen Geld erhalten. Das Vertriebenen-Zuwendungsgesetz stellt im Übrigen nur eines von mehreren Gesetzen dar, nach welchem so genannte Vertriebene Entschädigungszahlungen (Wofür eigentlich? - d.A.) verlangen können.
27. Juli 2000
Gegen 20.20 Uhr kommt es in einem Park am Kitzener Weg (Nähe Schlosserstraße) zu einer Auseinandersetzung zwischen einigen Deutschen und drei afrikanischen Asylbewerbern. Ein Asylbewerber und 2 Deutsche werden verletzt. Die Polizei nimmt zwei der Asylbewerber in Gewahrsam und ermittelt gegen diese, da sie angeblich die Auseinandersetzung provoziert hätten. Der Park ist schon seit längerem als Treffpunkt von dort in der Gegend wohnenden Nazis bekannt, von denen ein Teil bereits in der Vergangenheit durch Übergriffe insbesondere auf Nicht-Deutsche aufgefallen ist.
5. August 2000
Im Steinbruch an der B 80 Nähe Zscherben findet ein Nazikonzert mit ca. 100-150 Nazis statt. Die Polizei ist vor Ort. Näheres ist (noch?) nicht bekannt.
26. August 2000
Am Vormittag findet in Halle ein Nazi-Aufmarsch statt (siehe FUEGO September 2000). Am Abend marschieren Nazis in Gruppenstärke von etwa 120-150 und 60-70 Personen beim Laternenfest auf. Diese werden durch die Polizei begleitet. In der MZ wird darauf in einem Nebensatz, dass kleinere Gruppen von Neonazis beim Laternenfest auftauchten, hingewiesen. In diesem Zusammenhang wäre es interessant zu wissen, was dann größere Gruppen wären.
30. August 2000
In Sachsen-Anhalt und Thüringen beschlagnahmt die Polizei aus dem Bestand des "Mitteldeutschen Musikverlages" 6400 CDs mit Nazi-Musik. Bei den Durchsuchungen in Halle und Weimar fällt der Polizei weiterhin eine Adresskartei mit 1500 Namen und Anschriften von Kunden aus dem In- und Ausland in die Hände. In Halle war u.a. der Nazi-Laden "The way of life" Martinstraße 13 (obere Leipziger Straße) betroffen.
9. September 2000
Am frühen Samstag morgen provozieren ca. 20-30 Hallesche und Bernburger Nazis durch Parolen vor der "Marktwirtschaft". Nachdem ein Großteil der Gäste geschlossen die Kneipe verlässt, um den Nazis zu zeigen, was von ihnen gehalten wird, flüchten diese.
10. September 2000
Am Franckeplatz wird zwischen 3 und 4 Uhr ein Mensch von 2-3 Nazis von hinten angegriffen, geschlagen, getreten und zu Boden geworfen. Als der Angegriffene sich wieder aufrappeln kann, flüchten die Nazis in Richtung Markt. Der Angegriffene wurde leicht verletzt (kleine Platzwunde an der Augenbraue, Schürfwunde am Arm und mehrere Prellungen).
Ab 11. September 2000
An der Universität beginnen die Einschreibungen für das Wintersemester 2000/2001. Mit dabei, die extrem rechte "Halle-Leobener Burschenschaft Germania", die gerichtlich durchgesetzt, ihr "unpolitisches" Werbematerial verteilen kann. Auffallend war der enge Kontakt der "Germanen" zu Mitgliedern der "Sängerschaft Fridericianer", die sich schon des öfteren von extrem rechten Burschenschaften distanzieren musste, jedenfalls offiziell. Trotz des massiven Auftretens der Verbindungsstudenten gelang es der ag antifa/antira im StuRa, den Erstsemestern kritisches Material zu Burschenschaften, insbesondere der "Germania" zukommen zu lassen.
14. September 2000
Nach dem "Blood & Honour - Verbot" am 13.09.2000 wird der Nazi-Laden "The last resort" von "Blood & Honour"-Mitglied Sven Liebich durchsucht. Dabei wird von der Polizei eine Kiste mit Material mitgenommen, von dem nicht klar ist, ob es sich um verbotenes Material handelte. Der Laden hat weiterhin geöffnet. Sven Liebich betreibt in Leipzig einen weiteren Laden mit dem Namen "Midgard". Nach dem Verbot der deutschen Sektion der Naziorganisation waren in Sachsen-Anhalt 8 Personen und 10 zugehörige Objekte überprüft worden.
15. September 2000
Am Abend greifen 2 Nazis einen 30-jährigen, aus Korea stammenden, Mann in einer Straßenbahn (Richtung Heide) an. Die Nazis schlagen und treten den Koreaner, dem an der Haltestelle Weinbergweg die Flucht gelingt.'
22. September 2000
Kurz vor Mitternacht wird im Tunnel am Bahnhof ein Armenier von 3 Nazis vom Fahrrad gerissen. Anschließend wird dieser mit Fäusten, Füßen, Papierkörben und Bierbüchsen traktiert. Mehrere PassantInnen sahen dieses, gingen jedoch teilnahmslos weiter. Erst als ca. 15 Minuten später 3 Männer im Tunnel auftauchten, flüchteten die Nazis. Der Armenier wurde erheblich am Kopf verletzt. Die Polizei vertuschte diesen Übergriff ebenso, wie den am 15.9. Als diese dann durch Informationen aus dem Umfeld der Betroffenen öffentlich wurden, versuchte Polizeipräsident Gebel den Angriff auf den Armenier zu entpolitisieren, und einen Raub zu konstruieren, da die Nazis auch Geld von ihrem Opfer forderten. Nach Angaben des Betroffenen wurde dieser jedoch, als er in seiner Landessprache fluchte, noch von den Angreifern angebrüllt, dass hier gefälligst deutsch gesprochen werde.
27. September 2000
Kurz nach Mitternacht wird vor dem Polizeirevier "Frohe Zukunft" ein Mensch von einer Gruppe Nazis zusammengeschlagen und -getreten. Dabei wird der Angegriffene am Kopf verletzt. Die Nazis drohen noch, dass es für den Fall, dass in Heide-Nord, im Umfeld des "GIG" oder Nico Aubel noch mal etwas passieren würde, "Krieg gibt". Wir erinnern uns, Nico Aubel war derjenige, welcher am 20.Juni d.J. versuchte, das "GIG" in Kamikaze-Manier zu stürmen (siehe Chronik).
Mitte/ Ende September 2000
Im türkischen Imbiss in der Ludwig Wucherer-Straße, gegenüber dem Bauernclub (BC), schreit eine Gruppe Nazis "Ausländer raus" und zerschlägt einige Glasscheiben.
30. September 2000
Am Vormittag führt die NPD auf dem halleschen Marktplatz einen Infostand durch. Die 7-8 Nazis werden durch eine knappe Hundertschaft der Polizei beschützt. Einige AntifaschistInnen entsorgen soweit möglich, einen Teil des Propagandamaterials der NPD. Auch in Merseburg hat die NPD einen Infostand aufgebaut.
Ende September/Anfang Oktober 2000
Nazis kleben in allen Teilen der Stadt Plakate einer sogenannten "Aktion Notausgang" einer Initiative des "Nationalen Widerstandes Halle/Saale". Unter diesem Motto soll angeblich Hilfe bei "multirassistischen" und "linksfaschistischen" Übergriffen geboten werden. Die Plakate sind eine billige abgeänderte Kopie der zeitgleich stattfindenden "Aktion Noteingang". AntifaschistInnen gelingt es in einigen Bereichen der Stadt, die noch feuchten "Aktion Notausgang"-Plakate flächendeckend zu entfernen. Als Nazis am helllichten Tag dabei gesichtet werden, wie sie entsprechende Plakate kleben, erfolgt keinerlei Reaktion durch die von einem couragierten Menschen angerufene Polizei.
3. Oktober 2000
Am frühen Morgen brennt in der Neustädter Passage ein Döner-Stand komplett nieder. Das Datum ("Tag der deutschen Einheit"), als auch die Aufnahme von Ermittlungen durch die Polizei, legen die Vermutung nahe, dass der Dönerstand Ziel eines Nazi-Brandanschlages war.
5. Oktober 2000
Gegen den 21jährigen Ralf S. aus der Murmansker Straße, wird vom Amtsgericht Halle ein Strafbefehl in Höhe von 2500 DM wegen Beleidigung von Nachbarn erlassen. Ralf S. beschimpfte ein älteres Ehepaar mit behindertenfeindlichen und antisemitischen Sprüchen wie "Du Krüppel" und "Früher hätte man dich verbrannt, du Jude".
7. Oktober 2000
Am Nachmittag entdeckt die Polizei am Portal der ehemaligen Synagoge, dem halleschen Mahnmal für die jüdischen Opfer des Naziterrors, 6 eingeritzte Hakenkreuze. Die Polizei geht davon aus, dass diese erst kurz zuvor angebracht wurden. Etwa 10 Nazis ziehen durch die Puschkinstraße und grölen peinlicherweise "Hier marschiert der nationale Widerstand" und "Frei, sozial, national".
15. Oktober 2000
Der stadtbekannte Nazi Sven Liebich (Mitglied der "Freien Kameradschaft Halle/Saale", der verbotenen "Blood & Honour" und Betreiber des Nazi-Ladens "The last resort" in der Lauchstädter Straße) wird gegen Mittag dabei beobachtet, wie er in der Magdeburger Straße Plakate der "Aktion Noteingang" abreißt. Gegen Mittag wird in der Galgenbergschlucht eine Frau von einem Nazi zusammengeschlagen.
21. Oktober 2000
Im Haus der "Halle-Leobener Burschenschaft Germania" findet ein Treffen der "Burschenschaftlichen Gemeinschaft" (BG) der "Deutschen Burschenschaft" (DB) statt. Die DB ist ein völkischer, extrem rechter Dachverband von Verbindungsstudenten, wobei die BG innerhalb dieser den wichtigsten Ausschuss darstellt und zum rechten Flügel innerhalb der extrem rechten DB gehört. Anwesend waren u.a. Mitglieder der "Burschenschaft Danubia München", die "Burschenschaft Germania Hamburg" und der "Burschenschaft Germania Halle zu Mainz". Allen gleich, sind ihre (inoffizielle) Befürwortung militanter Naziaktionen und Kontakte ins militante rechte Spektrum.
28./29. Oktober 2000
Gegen Mitternacht randaliert eine etwa 20-köpfige Nazigruppe in einer Gaststätte auf der Silberhöhe. Die teilweise aus Bitterfeld, Delitzsch, Wolfen und Jessen stammenden Nazis warfen kurz nach Betreten des Lokals mit Gläsern und zerschlugen Mobiliar. Von den Beschäftigten und Gästen wurden nach Polizeiangaben niemand verletzt. Nach unseren Informationen sollen sich zum Zeitpunkt des Angriffs mehrere, dem Äußeren nach aus dem asiatischen Raum stammende Menschen zum Essen in der Gaststätte aufgehalten haben. Obwohl die Polizei die Täter als rechtsorientiert bezeichnete, ist der Hintergrund des Angriffs mal wieder völlig unklar.
29. Oktober 2000
Fünf angetrunkene Naziglatzen beschimpfen am Marktplatz vorbei gehende Andersausehende und drohen diesen Schläge an. Nach einiger Zeit kommt die Polizei vorbei und beruhigt die Glatzen, die nach dem Wegfahren der Polizei weiter Stress machen.
Anfang November 2000
Das Transparent der "Aktion Noteingang" am Leipziger Turm wird durch Nazis mit Farbeiern beworfen.
2. - 9. November 2000
In der gesamten Stadt tauchen teilweise antisemitische Aufkleber des "Nationalen Beobachters" und Nazi-Plakate auf, u.a. geschichtsverfälschende antisemitische Plakate zum so genannten "Heldengedenken am 9. November", der Reichspogromnacht. So werden beispielsweise am Nachmittag des 2. November in Halle-Neustadt 3 Nazis dabei beobachtet, wie sie ungestört plakatieren. Bei den geklebten Plakaten handelt es sich um Plakate des so genannten "Nationalen Widerstandes Halle/Saale". Eines der geklebten Plakate findet sich auch in dem Blättchen "Die Tat" wieder. Bei der "Tat" handelt es sich um eine intellektuell verbrämte, rechtsextreme neoheidnische Schrift. In dieser findet sich u.a. auch Werbung für die "Artgemeinschaft e.V." wieder. Chef der völkisch-rassistischen "Artgemeinschaft" ist Jürgen Rieger, Nazi und Rechtsanwalt aus Hamburg. AntifaschistInnen gelingt es zum Teil die massiv aufgetauchten Plakate zu entfernen. Scheinbar haben aber auch die Polizei und das Ordnungsamt am Wettbewerb "Schöner unsere Städte und Gemeinden" mitgewirkt.
8. November 2000
Gegen 23 Uhr hängen 3 Nazis des "Nationalen Widerstandes Halle/Saale" an der Giebichensteinbrücke ein Transparent mit der Aufschrift "Freiheit lässt sich nicht verbieten. NW" auf. Höchstwahrscheinlich ein vierter Nazi wartet dabei am Auto. Kurze Zeit später ist das Transparent jedoch schon verschwunden.
9. November 2000
Etwa 20 bis 30 Nazis marschieren von der Polizei unbehelligt in der Silberhöhe auf. Ein Jugendlicher wird von einem der Nazis mit einer Schreckschusswaffe bedroht, kann aber flüchten.
10./11. November 2000
In der Nacht zum Samstag brannte es in Halle-Neustadt in der Gellertstraße in einer Pizzeria und einem Kiosk in einer Holzbaracke. Der Tathergang lässt auf einen gezielten Anschlag schließen. Nach Aussagen eines Halle-Neustädters gab es in letzter Zeit vermehrt Anschläge auf Pizzerien. Unklar ist, ob es sich bei dem Anschlag um einen rassistisch motivierten Brandanschlag handelt.
16. November 2000
Im Löwengebäude, an der Universität, findet eine Veranstaltung zum totalitaristischen und revisionistischen "Schwarzbuch des Kommunismus" von Stephane Courtois statt. Als Referent spricht Ehrhart Neubert, Mitautor des Buches.
19. November 2000
Bei der offiziellen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag auf dem Gertraudenfriedhof legen 3 Nazis, darunter Sven Liebich, einen Kranz des "Nationalen Widerstandes Halle/Saale" zum "Heldengedenken" nieder. Auch die extrem rechte "Halle-Leobener Burschenschaft Germania" ist mit 7 Mitgliedern, darunter Andreas Klang (Pressesprecher der ehemaligen "Franco-Germania" und Mitglied der "Jungen Landsmannschaft Ostpreußen"), anwesend. Ebenfalls anwesende Bundeswehrsoldaten werden dabei beobachtet, wie sie mit den "Germanen" in ein freundschaftliches Gespräch vertieft sind. Als die anwesende Oberbürgermeisterin Häußler den Kranz des "Nationalen Widerstandes" bemerkt, fordert sie anwesende PolizistInnen auf, den Kranz zu entfernen, woraufhin diese sich für nicht zuständig erklären, obwohl nach einer Gerichtsentscheidung das so genannte "Heldengedenken" strafrechtlich relevant ist. Dieser Kranz wird erst am Nachmittag durch einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes entfernt. Etwa 15 AntifaschistInnen protestierten vor dem Friedhof gegen das öffentliche Auftreten von Nazis und anderen Rechtsextremen.
Sonstiges:
Ein Fahrer der halleschen Taxigenossenschaft hat sich nach MZ-Angaben geweigert, drei Schwarzafrikaner zu befördern. Begründung: Er fahre keine Schwarzen. Mit dem betreffenden Taxifahrer will die Taxigenossenschaft jetzt ein klärendes Gespräch führen und danach über eine Strafe beraten.
2. Dezember 2000
In Dessau findet ein von bekannten Köthener Nazis angemeldeter Aufmarsch "gegen Drogen und organisierte Kriminalität" statt. Daran nehmen etwa 200 Nazis teil. Unter diesen befinden sich etwa 40 aus Halle mit dem Zug angereiste Nazis. Sven Liebich (Mitglied der verbotenen "Blood & Honour, "Freie Kameradschaft Halle/Saale", Naziladen "The last resort" usw.) mimt unter den Hallensern den Chef. Als Hauptredner treten Steffen Hupka (ehemaliger NPD-Landesvorsitzender) und Christian Worch (Hamburger Führer der "Freien Nationalisten") auf. Gegen den Aufmarsch protestieren knapp 1000 AntifaschistInnen und "Anständige", wobei insbesondere erstere von der Polizei auf Distanz zur Route des Naziaufmarsches gehalten werden.
18. Dezember 2000
Das Amtsgericht Halle verurteilt den arbeitslosen Baufacharbeiter 21-jährigen Ralf Sch. zu einer Geldstrafe von 2250,- DM. Ralf Sch. hatte am 7. März 2000 einen damals im selben fünfgeschOssigen Wohnhaus in der Murmansker Straße wohnenden 61-jährigen beschimpft und und diesem gegenüber geäußert: "Früher hätte man dich verbrannt, du Jude". Bereits im Vorfeld gab es immer wieder Streitigkeiten zwischen beiden, auf Grund von Ralf Sch. verursachten Lärm.
31. Dezember 2000
In der Silvesternacht greifen 8 Deutsche in der Hanoier Straße in der Silberhöhe einen Ausländer an. Nähere Details sind nicht bekannt.


Alle Informationen entstammen diversen Medien, Zusendungen, Betroffenen- bzw. ZeugInnenberichten und eigenen Recherchen. Es gibt keine Garantie auf Vollständigkeit.
Bündnis gegen Rechts Halle/Saale
Kontakt:
AG Antifaschismus/Antirassismus im StudentInnenrat
der Martin-Luther Universität Halle