Flugblatt gegen die Veranstaltung „Frieden im Nahen Osten” am 17. Oktober 2006,
die vom Arabischen Haus e.V. dem Akademischen Auslandsamt der MLU Halle und der Deutschen Angestellten Akademie organisiert wurde.

Das Arabische Haus Halle, die Deutsche Angestellten-Akademie und das Akademische Auslandsamt der Universität Halle haben den Botschafter Syriens zu einem Vortrag über „Frieden im Nahen Osten“ an die Universität Halle eingeladen. Repräsentanten Syriens sind in der Vergangenheit immer wieder mit antisemitischen Aussagen an die Öffentlichkeit getreten. Es gilt noch immer, was Paul Spiegel, der verstorbene Vorsit-zende des Zentralrats der Juden in Deutschland, vor einigen Jahren erklärte: „Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder!“

Baschar al Assad, der Präsident der Arabischen Republik Syrien, ist ein Freund offener Worte: Als der Papst Syrien 2001 einen Besuch abstattete, erklärte Assad vor laufenden Kameras, die Juden hätten „Jesus verraten“ und versucht, „den Propheten Mohammed zu töten“. Auf dem Gipfeltreffen der arabischen Staaten im März des gleichen Jahres verglich er Juden und Nazis: „Es ist die israeli-sche Öffentlichkeit, nicht nur die Führer, die selbst wie Nazis sind.“ Die israelische Gesellschaft sei „eine rassistischere Gesellschaft als der Nationalsozialismus“. Hinter diesen Aussagen wollte Mustafa Tlass, der bereits unter Assads Vater als Verteidigungsminister diente, nicht zurückstehen: Er erklär-te, wenn er einen Juden sehen würde, würde er ihn umbringen, und wenn jeder Araber das gleiche tun würde, wäre das Problem gelöst. Doch nicht nur auf der Ebene der Politik ist Antisemitismus in Syrien salonfähig: So läuft im syrischen Fernsehen eine Soap Opera, in der in grässlichen Details gezeigt wird, wie Juden einen christliches Kind abschlachten, um mit seinem Blut eine Ritualspeise zuzubereiten.
Diese antisemitische Staats- und Alltagskultur verweist auf eines der zentralen außenpolitischen Zie-le Syriens: die Zerstörung Israels. So unterstützt Syrien nicht nur die antisemitische Terrororganisa-tion Hisbollah, deren Vertreter immer wieder erklären, die Existenz des jüdischen Staates nicht ak-zeptieren und bis zur Vernichtung Israels weiterkämpfen zu wollen. Auch Assad selbst spricht dem jüdischen Staat regelmäßig das Existenzrecht ab: Die Juden hätten „keine Geschichte“, sie „waren mit Sicherheit seit Tausenden von Jahren nicht in dieser Region“, und jeder Israeli würde „mit Si-cherheit“ wissen, dass „dieses Land arabisches Eigentum“ sei. Im August 2006 redete Assad schließ-lich vor Journalisten vom „siegreichen Widerstand“ der Hisbollah im Libanon und forderte andere arabische Herrscherhäuser dazu auf, die Organisation ebenfalls zu unterstützen. Darüber hinaus betonte er, dass Israel vom Friedensprozess ausgeschlossen werden müsse, weil der jüdische Staat „ein Feind“ sei. Nachdem Syrien lange Zeit von Seiten Deutschlands und der Europäischen Union umworben worden war, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier seinen geplanten Staatsbe-such in Syrien nach diesen Aussagen kurzfristig ab. Die Rede Assads, so begründete er diesen Schritt, sei ein negativer Beitrag, der den „gegenwärtigen Herausforderungen und Chancen im Na-hen Osten“ in keiner Weise gerecht werde.
Während also selbst staatliche Stellen der Bundesrepublik ihre Appeasement-Politik gegenüber anti-semitischen Regimes im Nahen Osten gelegentlich unterbrechen und auf Distanz zu Syrien gehen, werden Vertreter des Baath-Staates in Halle auch weiterhin hofiert. Die Stadt Halle ernannte Hus-sein Omran, den Botschafter Assads in der Bundesrepublik, kürzlich zum „Botschafter des Monats“ und sprach von einem Eintrag ins „Goldene Buch“ der Stadt. Das Arabische Haus Halle, die Deutsche Angestellten-Akademie und das Akademische Auslandsamt der Martin-Luther-Universität sind die-sem Vorbild gefolgt und haben Omran für den heutigen Tag zu einem Vortrag an die Universität ein-geladen. Dieser Vortrag trägt den perfiden Titel „Perspektiven eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten“. Welche Vorstellungen das offizielle Syrien von einem Frieden im Nahen Osten hat, ist aus den einschlägigen Stellungnahmen seiner Vertreter bekannt. Anders als sein Prä-sident, dessen antisemitische Hasstiraden von den hiesigen Diplomaten Syriens immer wieder für den europäischen Kontext relativiert werden, wird Botschafter Omran in seinem Vortrag zwar einen Ton anschlagen, den man in Old Europe für diplomatisch hält. Das heißt, er wird das Wort „Jude“ durch „Zionist“ ersetzen, nicht von der „jüdischen Weltverschwörung“ sondern einer „zionistischen Lobby“ sprechen usw. Eine öffentliche Anerkennung des Existenzrechts Israels ist von ihm allerdings ebenso wenig zu erwarten wie kritische Aussagen über die syrische Unterstützung von Selbstmord-attentätern, die Ermordung israelischer Zivilisten und darüber, womit israelische Soldaten zu rech-nen haben, wenn sie in die Hände der Hisbollah fallen. Was bleibt, werden „zionistische Aggressio-nen“ und „zionistische Verbrechen“ auf der einen und tapfere, von Juden geschundene arabische Zivilisten auf der anderen Seite sein.
Vor diesem Hintergrund gerät die Forderung nach einem „gerechten und dauerhaften Frieden im Nahen Osten“, die im Ankündigungstext für die heutige Veranstaltung formuliert wird, zur Kriegser-klärung gegen Israel. Denn: Wer den Repräsentanten eines antisemitischen Regimes, dessen Vertre-ter immer wieder erklären, Israel von der Landkarte streichen zu wollen, das Nazi-Kriegsverbrechern wie Alois Brunner, der rechten Hand Adolf Eichmanns, jahrzehntelanges Asyl bot und kritische Stimmen im eigenen Land unterdrückt, zu einem Vortrag über „Frieden im Nahen Osten“ einlädt; wer die Schutzmacht der Hisbollah, die seit Jahren Raketen auf israelische Siedlungen abfeuert und regelmäßig von sich gibt, nicht eher zu ruhen zu wollen, bis der jüdische Staat vernichtet ist, für einen kompetenten Gesprächspartner über die Perspektiven für einen „gerechten und dauerhaften Frieden“ hält, signalisiert, was auch er unter Frieden versteht: einen Frieden ohne Israel, einen Frie-den, der nur dadurch erlangt werden kann, wenn Israel der Krieg erklärt wird.
Dass der Arabisches Haus Halle e.V. an der Vorbereitung dieser Veranstaltung beteiligt ist, über-rascht nicht wirklich. Nachdem einzelne Vertreter des Vereins bereits im halböffentlichen Raum anti-semitische Äußerungen von sich gegeben haben, ist es nur konsequent, nun auch öffentlich mit ei-ner antisemitischen Propagandaveranstaltung hervorzutreten. Vom Akademischen Auslandsamt der Martin-Luther-Universität waren bislang allerdings noch keine antisemitischen Manifestationen be-kannt. Möglicherweise möchte das Amt die Einladung des syrischen Botschafters ja als Hommage an den Namensgeber der Universität und seine judenfeindlichen Tiraden, die in der Luther-Ikonografie der Hochschule auch weiterhin konsequent verschwiegen werden, verstanden wissen.

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