Online-Vortrag und Diskussion mit Sara Rukaj
 
Donnerstag, 21.01.2021
19:00

 
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Die Sexualität und das Geschlechterverhältnis haben in der westlichen Welt fraglos einen immensen Modernisierungsprozess durchlaufen. Religiöse Normen, die deontologisch bestimmte sexuelle Ausdrucksformen als gut (reproduktive Sexualität in der Ehe) oder schlecht (z.B Homosexualität oder Masturbation) einordnen, haben an Bedeutung verloren.
Stattdessen wird auf der Basis sexueller Bürgerrechte zunehmend eine Verhandlungs- bzw. Konsensmoral evoziert, die während der #MeToo-Debatte sogar als justiziabler Bestand diskutiert wurde. Doch ist damit die Grundstruktur der Geschlechter in Sachen Liebe und Sexualität verschwunden? So setzt die Konsens- Kommunikationsmoral analog zur Partnerschaft bereits Egalität voraus, womit sie kein kritisches Potenzial birgt und nachfolgende Fragen gar nicht erst bearbeitet werden: Wie wirken ungleiche Rollenzuschreibungen in der Sexualität und in festen Paarbeziehungen? Perpetuiert die Liebe immer noch Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, ist Sexualität nicht konstitutiv unbewusst und widersprüchlich? Oder war die Kritik so wirksam, dass sie sich mittlerweile selbst abgeschafft hat? Einiges deutet darauf hin, dass Egalität sowohl in der Sexualität als auch in festen Paarbeziehung ein moderner Mythos ist und sich emanzipatorisch und fortschrittlich gerierende Paarkonstellationen ebenfalls dazu tendieren, Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu nivellieren. Paradoxerweise gerade, weil man sich bereits als emanzipiert wahrnimmt.
Weiterhin wurde kaum der eindimensionale Männerhass und die devote Haltung vieler Frauen, die sich qua #Me-Too zu Wortmeldeten, diskutiert. Immer wieder liest man von „dummen Sprüchen“ oder Flirtavancen, die einen traumatisiert hätten oder gar patriarchal seinen. Mit dieser Haltung verniedlicht man nicht nur genuine Traumata, sondern entmündigt gleich sich selbst. Was bleibt in puncto Emanzipation übrig, wenn man nicht einmalmehr zu einem „Spruch gegen Spruch“ in der Lage ist? Dass viele Frauen in Beklemmung geraten, ist verständlich. Weiterhin soll nicht der Eindruck entstehen, plumpe oder beleidigende Sprüche in Schutz zu nehmen. Allerdings wäre es vielversprechend, nicht nur Tatbestände, sondern auch etwaige Handlungsmöglichkeiten und einen nicht völlig entleerten Begriff des „Patriarchats“ breiter zu diskutieren. Es ist im Interesse des kapitalistischen Systems, dass Frauen und Männer zu feindlichen Gruppen avancieren. Solange das eindimensionale Feindbild Mann ohne Reflektion tradiert wird, arbeitet die Frauenbewegung – wenn auch unbewusst – gegen sich selbst an.

Sara Rukaj schreibt u.a. für die „JungleWorld“.
 
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