Liebe Leute,
mit Fassungslosigkeit haben wir gehört, dass auf Radio Corax dazu aufgerufen wurde, „lautstark und stark“ gegen die von uns organisierte Veranstaltung „Austreibung der Natur. Zur Queer- und Transideologie“ mit Vojin Saša Vukadinović und Hannah Kassimi im VL zu protestieren. Das reiht sich in andere, über Mailinglisten verbreitete Aufrufe ein, das Ganze zu stören und zu sprengen. Auch aufgrund der vielen Veranstaltungen, die wir in den letzten 20 Jahren in Euren Räumlichkeiten organisiert haben, sind wir bisher davon ausgegangen, dass es bei Radio Corax um Information, Diskussion und Austausch und nicht um Niederbrüllen geht. Deshalb hat es uns umso mehr verwundert, dass nun über Eure Kanäle gegen die Veranstaltung mobilisiert wird – eine Veranstaltung im Übrigen, die, das nur zur Erinnerung, von einer Antifa-Gruppe in einem linken Hausprojekt organisiert wird.
Ebenfalls verwundert haben uns die über Corax verbreiteten Behauptungen, unsere Veranstaltung sei „queer- und transfeindlich“, „diskriminierend und mackrig“. Wer die Gender-Theorie Judith Butlers und ihre praktischen Ausläufer, um die es in beiden Vorträgen gehen soll, als einzigen Ausdruck von Queerness oder Transgender zu akzeptieren bereit ist, sollte besser niemandem vorwerfen, diskriminierend und ausgrenzend zu sein: Ihm scheint selbst an einer ideologischen Gleichschaltung gelegen zu sein.
Wer sich auch nur kurz mit unseren Referenten Hannah Kassimi und Vojin Saša Vukadinović auseinandergesetzt hat, dürfte darüber hinaus mindestens ahnen, dass der Vorwurf, dass die Veranstaltung „mackrig“ sei, absurd ist. Sowohl diese Unterstellung als auch die Aufrufe zum Protest und zur Störung bestätigen nur, was im Ankündigungstext der beiden Vorträge steht: dass hier ein Exorzismus am Werk ist, der „für das rationale Argument nicht mehr zugänglich ist“.
Wir hätten uns gefreut, wenn Ihr dazu aufgerufen hättet, die Veranstaltung zu besuchen, sich die Vorträge anzuhören, gern auch kritisch darüber zu diskutieren oder zu streiten. Ein Flugblatt, über das man sprechen kann, wäre auch mal was Neues. Wer keine Argumente hat, soll vor dem Veranstaltungsort selbstverständlich gern auch Transparente hochhalten. Da sowohl der Aufruf über Corax als auch die Aufrufe, die via Mailverteiler verbreitet werden, vermuten lassen, dass es weniger um Protest als um Störung und Verhinderung geht („wäre doch schade, wenn da nichts passieren würde…“), und wir darüber hinaus in den vielen Jahren des Bestehens der AG Antifa bereits mehrfach erleben durften, wie Störungen aussehen können, sehen wir uns nun dazu genötigt, etwas zu tun, worauf wir keine Lust haben und was wir eigentlich ablehnen: nämlich über Einlasskontrollen und die Durchsetzung des Hausrechts nachzudenken. Wir hätten gern anderes getan: zum Beispiel Subjektiv, Cheesecake, das Mittagsmagazin, Gleichlaufschwankung oder ähnliches gehört.
Beste Grüße,
AG Antifa
P.S. Auch aufgrund unserer langen Zusammenarbeit erwarten wir eigentlich noch eine Erklärung von Euch oder besser noch: eine Entschuldigung.