Vortrag und Diskussion mit Martin Dornis und Tim Lieblich

Donnerstag, 11. November 2021, 19:00
Löwengebäude (Uniplatz 11, Halle)

China gilt heute vielen Beobachtern als der große ökonomische Über-flieger. Das Wirtschaftswachstum dieses Landes ist in der Tat historisch beispielslos. Allerorts wird das „asiatische Zeitalter“ beschworen, dass bereits begonnen hätte oder zumindest unvermeidbar sei. Den einen erscheint das als große Chance für eine gerechte Ordnung, eine multipolare Welt ohne westliche Dominanz, eine, die wieder in Ordnung gekommen ist. Andere fürchten mit dem Aufstieg dieses Landes um Freiheit, Menschen-rechte, Individualität und Demokratie. Werden „wir alle Chinesen“ wird gefragt. Die Vormacht des Westens scheint vorbei zu sein, die Zukunft gehöre den Asiaten. Die Ver-anstaltung möchte die politisch-ökonomische Bedeutung des Auf-stiegs des fernöstlichen Staates vor dem Hintergrund seiner Geschichte ergründen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem maßgeblich von Karl Marx entwickelten Theorem asiatische Produktionsweise, durch das sich die chinesische Geschichte von der westlichen grundlegend unterscheidet – was sich bis in die heutige Zeit durchhält. Die heutige Volksrepublik erscheint sowohl als brutal-kapitalistisch als auch kom-munistisch und zugleich weder als das eine noch das andere. Entsteht hier neues System jenseits von Kapitalismus und Kommunismus, eine Ordnung neuen Typs? Unklar sind seine Zukunftsaussichten. Vor allem ist zu fragen, ob im heutigen „Reich der Mitte“, wie das Land auch genannt wird, die Krisentendenz der in sich widersprüchlichen kapitalistischen Gesellschaft durch den Staat mittels digital geplanter Ökonomie und totaler Überwachung ausgeschaltet ist.

Die Referenten Martin Dornis und Tim Lieblich sind Mitglieder der Gruppe „Antideutsche Kommunisten Leipzig“.