Es dürfte sich schon rumgesprochen haben: Die Offene Linke Liste der Universität Halle, die Grüne Hochschulgruppe und die Juso-Hochschulgruppe Halle haben den Antrag gestellt, den AK Antifa aufzulösen. Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Stura stehen die Chancen hierfür nicht schlecht. Der AG Antifa wurde die Möglichkeit gegeben, vorab eine schriftliche Stellungnahme für die Mitglieder des Sturas zu verfassen, die wir hiermit für die ganze Studierendenschaft und Öffentlichkeit veröffentlichen:
 
Liebe Mitglieder des Stura,
 
uns hat vorgestern der Antrag der OLLi, der GHG und der Jusos erreicht, den AK Antifa aufzulösen. Trotz der Kurzfristigkeit sind wir dankbar für die Möglichkeit, Euch eine kurze Stellungnahme zukommen lassen zu können.
Der AK Antifaschismus hat in den letzten Jahren Dutzende von Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, Leseabenden, Filmvorführungen, Podiumsdiskussionen und Seminaren organisiert, denen stets eines zugrunde lag, nämlich ein weiter Antifaschismusbegriff. Antifaschistische Arbeit besteht für uns nicht ausschließlich im Benennen neonazistischer Strukturen (so wichtig das gerade in den neuen Bundesländern ist) oder im Organisieren von Demonstrationen (was für einen Arbeitskreis des Studierendenrates juristisch ohnehin nicht so einfach ist), sondern in der Stärkung kritischen, das heißt: aufklärerischen Denkens. Das hat für uns immer auch bedeutet, nicht nur Veranstaltungen zu organisieren, die aktuelle linke Mehrheitsmeinungen bestätigen, sondern sie auch kritisch hinterfragen. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts hat gezeigt, dass kritisches Denken weniger durch die stetige Wiedergabe von Partei-, Bewegungs- oder Generallinien entsteht, als durch das Aufzeigen der Möglichkeit, sie auch in Frage zu stellen. Deshalb war uns die Fähigkeit, im richtigen Moment „Nein!“ sagen zu können und nicht mitzumachen, immer wichtiger, als dass alle einer Meinung sind – und sei es auch unsere.
 
Damit glauben wir zugleich, den Auftrag ernst zu nehmen, den das Hochschulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt den Arbeitskreisen des Studierendenrates zuweist, nämlich die Meinungsbildung in der Gruppe der Studierenden zu ermöglichen (§ 65, 1.1. HSG LSA) und die politische Bildung zu fördern (§ 65, 1.4 HSG LSA).
 
Umso erstaunter waren wir deshalb über den Antrag, den AK Antifa aufzulösen. Zugegeben: Wir sind solche Versuche gewöhnt. Früher kamen sie allerdings vor allem aus einer anderen Richtung, namentlich aus dem stark rechtskonservativen Spektrum oder dem Kontext studentischer Verbindungen. Dort scheint man sehr genau erkannt zu haben, dass die Art des Antifaschismus, die der AK Antifa vertritt, gefährlicher für den Bestand des eigenen Weltbildes ist, als eine reine Konzentration auf neonazistische Gruppen. Dass ein Antrag von linker Seite gestellt wird, ist für uns nicht vollkommen neu, macht uns trotzdem fassungslos – auch deshalb, weil wir trotz aller Belehrungen durch das 20. Jahrhundert einen emphatischen Begriff von dem haben, was „links“ ist, nämlich das Eintreten für eine offene Gesellschaft, Diskussionen und die Möglichkeit des freien Austauschs. Das Gleiche gilt unserer Meinung nach für eine Universität, die ein Ort des Meinungsaustauschs und der Debatte sein sollte.
 
Deshalb plädieren wir dafür, dem Antrag nicht stattzugeben – um gar nicht erst von dem fatalen Signal zu sprechen, das es in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation wäre, wenn der Studierendenrat einer großen Universität seinen Antifaschismus-Arbeitskreis auflösen würde. Der Applaus von der falschen Seite dürfte sicher sein.
 
Euer AK Antifa
 
P.S. Ein Nachtrag zum Datenschutz: Seine Wichtigkeit ist uns auf jeden Fall bewusst. Wir haben den Eindruck, dass in dieser Hinsicht im gesamten Stura ein gewisser Nachholbedarf besteht. Deshalb möchten wir ein Stura-internes Seminar dazu anregen.