Vor fünf Tagen wurde öffentlich, dass die Offene Linke Liste MLU, die Juso-Hochschulgruppe Halle/Saale und die GHG Grüne Hochschulgruppe Halle die AG Antifa in der morgigen Sturasitzung per Abstimmung auflösen möchten. Seitdem haben sich Gruppen, andere Stura-Arbeitskreise (AK Protest und AK Alternatives Vorlesungsverzeichnis), Hausprojekte, Initiativen und Einzelpersonen öffentlich gegen die Auflösung gestellt. Wir haben uns sehr über die zahlreichen Solidaritätsbekundungen gefreut und hoffen, dass die Argumente, die sie beinhalten, Gehör bei den Mitgliedern des StuRa Uni Halle finden. Unten eine Auswahl.
 

Wir freuen uns sehr über die breite Unterstützung, die wir aufgrund des Versuchs der Offenen Linken Liste, der Grünen Hochschulgruppe und der Juso-Hochschulgruppe der Uni Halle bekommen, die AG Antifa aufzulösen. Vielen Dank dafür, wir haben Unterstützung auch dringend nötig und hoffen auch weiter darauf.

Zugleich verstehen wir die große Empörung über den Verbotsantrag. Es ist von vielen unserer Unterstützer völlig zu Recht gesagt worden, dass die linke Mehrheit im Stura mit einem Verbot mehr für die Zerstörung antifaschistischer Strukturen in Halle tun würde, als es der gesamten Neonaziszene in den letzten 25 Jahren gelungen ist. Die AG Antifa ist ein Anlaufpunkt, ein Symbol und eine Institution, die für eine Kontinuität steht, die für antifaschistische Arbeit immens wichtig ist. Ohne zu übertreiben: Hunderte (vielleicht mehrere Tausend) Leute haben in den letzten Jahren die Vorträge, Diskussionsrunden und Konferenzen besucht; Dutzende das von der AG gemeinsam mit anderen in der Reilstraße organisierte Selbstverteidigungstraining durchlaufen. Es ist insofern nicht ganz falsch, wenn in den Kommentarspalten zu lesen ist, dass die Offene Linke Liste, die GHG und die Juso-Hochschulgruppe mit ihrem Verbotsantrag objektiv Anti-Antifa-Arbeit betreiben. Auf den einschlägigen Neonaziseiten im Internet wird darum tatsächlich schon gejubelt.

Und trotzdem: Die AG Antifa hat in ihren Veranstaltungen und Texten immer großen Wert auf begriffliche und kategoriale Klarheit gelegt und die Wichtigkeit politischer und historischer Unterscheidungsfähigkeit betont: Nur so kann dem allgemeinen gesellschaftlichen Trend der Auflösung historischer Urteilskraft und des Alles-mit-allem-Gleichsetzens entgegengetreten werden. Deshalb – und selbst wenn es uns Unterstützung kosten sollte: Auch wenn OLLI, GHG und Juso-Hochschulgruppe objektiv Anti-Antifa-Arbeit betreiben, sind sie doch keine Anti-Antifas. Auch darum halten wir es für falsch, einzelne Personen aus ihren Reihen öffentlich besonders hervorzuheben, sich auf sie zu kaprizieren oder auch vermeintlich lustige Memes mit ihren Fotos im Internet zu verbreiten. Das gilt auch dann, wenn diese Personen einen besonders großen Anteil am Verbotsantrag haben (was wir nicht wissen) und die Fotos frei im Internet zugänglich sind. Wir halten tatsächliche und ironisierte Fahndungsplakate schon bei richtigen Anti-Antifa-Aktivisten mindestens für fragwürdig, in diesem Fall erst recht. Aus diesem Grund: Lasst das bitte, es ist in keiner Weise in unserem Sinn und steht gegen all das, wofür wir immer eingetreten sind. Auch wenn der Versuch, die AG Antifa zu verbieten, in jedweder Hinsicht katastrophal ist.

AG Antifa, 14.11.2021