Auf dieser Seite findet ihr Artikel zur Geschichte und zur aktuellen Entwicklung von studentischen Verbindungen und Informationen zu halleschen Verbindungen.


Es ist wieder so weit: Junge Männer, die sich mit eigenartigen bunten Bändern und Mützchen schmücken, haben sich auf dem Universitätsplatz versammelt. Wer glaubt, hier wirbt der studentische Karnevalsverein um neue Mitglieder, der muss sich eines Besseren belehren lassen. Die jungen Männer, die sich als Mitglieder einer „stu-dentischen Verbindung“ vorstellen, sprechen nicht von Kostümen, Funkenmariechen und Büttenreden, sondern vom „Lebensbundprinzip“, „Gemeinschaft“ und vor allem „Tradition“. Was es mit dieser „Tradition“ auf sich hat, von der sich keine studentische Verbindung distanzieren will, erläutert die AG Antifa.

 

„Wir wollen deutsche, nur deutsche Studenten sein“
Studentische Verbindungen bildeten in der Zeit des Deutschen Kaiserreiches und der Weimarer Republik die wichtigste Sozialisationsinstanz des akademischen Milieus. Hier übten sich die angehenden Akademiker in dem, was sie unter Geselligkeit verstanden, hier wurde das autoritäre Weltbild des deutschen Bildungsbürgertums verfestigt, hier wurden die Weichen für die spätere berufliche Entwicklung der Studenten gestellt.
Artikel lesen

Beitrag im Erstsemester-Infoheft 2004

Nach Partycocktail deutsche Traditionspflege
Jedes Jahr wieder, und bei weitem nicht nur in Halle, ist der Start eines neuen Semesters die Hochzeit der Aktivitäten der studentischen Verbindungen, zumindest das Werben und Umschmeicheln potentieller neuer Mitläufer. Auf Flyern laden sie zur „tollen Party aufs“ Haus ein oder ködern neue Mitglieder über billigen Wohnraum. Während der Feierlichen Immatrikulation verteilen sie unpolitisch wirkende Partyeinladungen – manchmal sogar in ihren traditionellen Look mit ihren farbigen Käppis und Schärpen.
In Halle ist das gesamte Spektrum studentischer Verbindungen vertreten, da tummeln sich Turner- und Sängerschaften, Corps, Landsmannschaften, der Verein Deutscher Studenten, Burschenschaften und katholische Verbindungen. Wer sich in die Hände einer solchen Verbindung begibt und die Eintrittsbedingungen – männlich, meist gedient und deutsch – erfüllt, den erwartet deutsche Traditionspflege pur. Militarismus, Pflichtsaufen und z. T. der Zwang zur Mensur, ein historisches Duell, bei dem sich die Burschenschaftler gegenseitig einen scharfen Säbel um die Ohren hauen.
Traditionell sind auch ihre Begriffe von Ehre, Vaterland und Heldentum. Studentenverbindungen waren aktiv an der Zerschlagung der Weimarer Republik und der Stützung des Dritten Reiches beteiligt. Heute wollen sie nichts mehr von der aktiven Teilnahme ihrer „Alten Herren“ an der Bücherverbrennung 1933 und der Mitgliedschaft im Nationalsozialistischen Studentenbund oder dessen Vorläuferorganisation „für deutsche Art und deutsches Wesen“ wissen. Auch heute pflegen einige Verbindungen gute Kameradschaft zu militanten Neonazis, organisieren Veranstaltungen mit rechtsextremen Inhalten und Konzerte für und mit Faschos. Und anstelle sich zu distanzieren, betonen die anderen Verbindungen ihre traditionellen Gemeinsamkeiten und ziehen sich gern auf ihr Recht Unpolitisch-Zu-Sein zurück.

 

 

Weitere Artikel zu studentischen Verbindungen:

A. Kronauer – Die neuere Entwicklung der Deutschen Burschenschaft

Lausitzer Rundschau – Intellektueller Überbau für Neonazis

Offener Brief an die Uni-Leitung wegen einer geplanten Raumvergabe…

Links zu weiteren Infos über studentischen Verbindungen:

Burschenschaftsreader der Antifa an der TU Berlin
Link zum Burschenschaftsreader der Antifa TU Berlin

Viele Infos der Antifaschistischen Arbeitsgruppe der Gesamthochschule Siegen
Link zur Antifa Arbeitsgruppe der Gesamthochschule Siegen

Burschenschaftsreader des Asta der Uni München
Link zum Burschenschaftsreader des Asta der Uni München